Der Umgang mit Jugendlichen mit Verhaltensschwierigkeiten, insbesondere wenn diese Schwierigkeiten in Straftaten münden, ist eine heikle und verantwortungsvolle Aufgabe - für Eltern, Lehrer, Mitmenschen und den Staat gleichermaßen. Das schweizerische Jugendstrafrecht berücksichtigt konsequent sowohl psychologische als auch pädagogische Gesichtspunkte und wird so den individuellen Erfordernissen der jugendlichen Entwicklungsphase in hohem Maße gerecht. Ungeachtet der Art und Schwere der Delikte werden Kinder und Jugendliche in vielen Fällen durch ambulante Hilfestellungen erfolgreich aus ihren Schwierigkeiten herausgeführt. Hans-Werner Reinfried beschreibt anhand von 26 repräsentativen Fallbeispielen anschaulich psychotherapeutische Prozesse in der Begutachtung und ambulanten Betreuung von Jugendlichen und zeigt Möglichkeiten und Grenzen psychotherapeutischen Handelns auf.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 17.04.2004
Recht aufschlussreich findet der "ekk." zeichnende Rezensent diesen Band, in dem sich der Fachpsychologe für klinische Psychologie und Psychotherapie Hans-Werner Reinfried mit der Psychologie jugendlicher Straftäter befasst. Anders als das Thema vermuten lasse, hält er das Buch nicht für langweilig, im Gegenteil: mit den 26 Fallbeispielen von kriminell gewordenen Jugendlichen aus seiner Praxis gewährt Reinfried zur Freude des Rezensenten einen "spannenden Einblick" in seine Arbeit und in die Gemütsverfassung der Jugendlichen. Der Rezensent hebt dabei die Nähe und Anschaulichkeit dieser Beispiele hervor, merkt aber zugleich an, dass der Autor mit seinen Schilderungen der Umstände, der Familienverhältnisse und der Delikte "ein Stück weit" den Voyeurismus der Leserschaft befriedige. Insgesamt aber lobt er den Autor für die vielen interessanten Aspekte, die er aufspüre, sowie dafür, dass er auf "simple Lösungen" verzichte.
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