Eine Geschichte aus dem modernen Leben mit pointierter Kritik an einer stets Verantwortung delegierenden Gesellschaft: Der Autor kritisiert seinen eigenen Berufsstand. Lukas Zangger ist Psychiater in Zürich. Mit einer eigenen Praxis in einem Quartier, in dem die Straßen nach Göttern benannt sind und das deshalb Götterquartier genannt wird. Hier reihen sich die Praxen von Psychiatern, Psychotherapeuten und Ärzten schier Tür an Tür. Eigentlich könnte Zangger zufrieden sein: Die Praxis läuft gut und auch mit Frau, Söhnen und Töchtern gibt es keine Probleme. Mit dem Eintritt von Ellen McGraw in Zanggers Seminar ist es mit der Ruhe vorbei, was will diese geheimnisvolle junge Frau in dem Psychotherapiekurs?
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 29.05.2002
"Zanggers Seminar", erinnert uns Gieri Cavelty zu Beginn seiner Rezension, ist schon der zweite Roman aus dem Züricher Psychotherapeutenmilieu innerhalb kürzester Zeit. Nach Jürg Acklin ("Defekt") "plaudert" nun also mit Kaspar Wolfensberger "ein weiterer Sachverständiger aus dem Nähkästchen". Der "Therapie-Platz" Zürich, "das eigentliche Nervenzentrum der Psychotherapie", avanciere nun mit etwas Verspätung zum literarischen Topos, folgert der Rezensent rundheraus. Die Handlung von Wolfensbergers "klug konstruierter und sorgfältig erzählter Geschichte" ist im Vergleich zu Acklins ödipaler Variation "erfrischend harmlos", so Cavelty, der uns im folgenden Wolfensbergers Personal vorstellt: ein Psychotherapeut in der Midlife-Crisis, sein bester "mit einem gesunden Menschenverstand gesegneter" Freund, ein ödipal traumatisierter Doktorand und eine "gar rätselhafte Besucherin" der Selbsterfahrungskurse des Protagonisten, "die Schöne" wie Cavelty an anderer Stelle schreibt. Ein Happy End gibt es auch, der Rezensent scheint zufrieden - befürchtet aber, dass die "keineswegs unbeholfen" in die Handlung eingewobenen theoretisch-didaktischen Passagen den literarischen Wert mindern.
Robert Seethaler: Die Straße Die Straße ist nicht im Zentrum der Stadt und nicht an ihrem Rand. Versteckt liegt sie irgendwo dazwischen. Kein Besucher würde sich dorthin verirren, und doch passiert in… Nelio Biedermann: Lázár Alles beginnt, sogar das Ende, als Lajos von Lázár, das blonde Kind mit den wasserblauen Augen, zur Welt kommt. Seinem Vater, dem Baron, wird der Sohn nie geheuer sein, als… Lukas Rietzschel: Sanditz Ein imposantes Bild der deutschen Gesellschaft - von der DDR bis in die GegenwartSanditz, eine Kleinstadt am Rande der Republik. Hier leben alte Offiziere, Bürgerrechtler,… Elizabeth Strout: Erzähl mir alles Aus dem Englischen von Sabine Roth. Elizabeth Strout kehrt zurück in die Küstenstadt Crosby in Maine - zu ihren Heldinnen Lucy Barton und Olive Kitteridge. Es ist Herbst…