In diesem neuen Buch des ehemaligen Gefängnisdirektors Thomas Galli stehen Einzelschicksale von Straftätern im Mittelpunkt, bei denen nach schweren Taten und langer Haftstrafe über eine Sicherungsverwahrung entschieden werden muss. Wann gilt ein Täter als "höchst gefährlich"? Worauf gründen Justiz, Gefängnisverwaltung und Psychologen ihr Urteil über seine Gefährlichkeit? Wie lassen sich Gefahren für die Allgemeinheit abwenden oder begrenzen?
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 22.05.2017
Es scheint sich um eine bestürzende, aber auch um eine erhellende Lektüre zu handeln. Rezensent Martin Hagenmaier, selbst Theologe und Kriminologe, der als Seelsorger in Gefängnissen tätig war, kann sich den aus konkreten Fallgeschichten abgeleiteten Argumenten Gallis dabei nur anschließen. Galli beschreibe das Gefängnis als sein System, das die Gewalt, die es bestraft, oft genug selber erzeugt hat. Auch die Beamten zermürbt dieses System, und die Hierarchien haben für die Einzelnen nur einen einzigen Zweck: Niemand will sich die Finger schmutzig machen, indem er persönliche Verantwortung übernimmt. Jeder ist also radikal allein. Helfen kann ein solches System nicht. Statt Strafe schlägt Galli den "Täter-Opfer-Ausgleich" (TOA) vor, der sporadisch schon praktiziert wird: In Selbstreflexion sollen die Täter lernen, was sie den Opfern angetan haben. Auch wirklich gefährlichen Tätern bekommt das Gefängnis nicht, so Hagenmaier. Für sie schlage Galli eine Isolierung in Dorfgemeinschaften oder Inseln vor, wo sie gemeinnützige Arbeit verrichten sollen.
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