Europas Grenzen sind die tödlichsten der Welt. An den einstigen Markierungen kolonialer Gebiete treffen sich Leben und Tod, Humanität und Feindschaft, Lebensrettung und Alltagsrassismus. Migration als eine zentrale Frage der Gegenwart wirkt dabei auch ins Innere einer angespannten Gesellschaft: Wer darf zu uns kommen? Wer wird als illegal markiert? Wo verdichten sich Feindbilder? Heidrun Friese versteht derzeitige Migrationspolitiken als Teil eines Kriegsszenarios und zeigt deren innere Logik von Feindschaft und Todespolitik. Sie formuliert die existenzielle Frage nach der Universalität der Menschenrechte und plädiert für Verantwortung und Rechenschaftspflicht.
Rezensentin Renate Kraft bekommt in Heidrun Frieses Buch "Ungeheuerliches" zu europäischen "Abschottungspraktiken" zu lesen. So werde, wie die emeritierte Chemnitzer Professorin für Interkulturelle Kommunikation aufdeckt, systematisch an einer Fernhaltung von Flüchtenden von Europa gearbeitet: etwa im Niger, wo bis 2023 europäische Sicherheitskräfte stationiert waren, die an "mobilen Checkpoints" gezielt nordwärts Flüchtende aufhalten sollten. Ähnliche "Zusammenarbeiten" gebe es bis heute mit Tunesien und Ägypten, und besondere Aufmerksamkeit widme die Autorin Libyen, wo gegen einen Deal mit Italien Migranten durch Gefangenschaft und Folter zurückgehalten werden. Dass Europa laut Friese solche kriminellen Netzwerke wesentlich mitfinanziere, ist natürlich ein verdienstvolles Ergebnis der Studie, vermittelt Kraft. Trotzdem kritisiert sie den kategorisch postkolonialistischen Ansatz der Autorin: wenn die Verantwortung ausschließlich im System gesucht werde, gerate die individuelle Verantwortung (etwa abgabeunwilliger Bewohner des globalen Nordens) und auch Leistung (etwa von Aktivisten bei Rettungseinsätzen auf dem Mittelmeer) zu sehr aus dem Blick. Unklar bleibe so auch, wie Friese die Lage auf konkreter Handlungsebene verbessern will.
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