Weimar - die Stadt, in der 1919 die Verfassungsgebende Nationalversammlung tagte, ist zu dem Synonym für die Jahre 1918 bis 1933 geworden und als politischer Erinnerungsort in das kollektive Gedächtnis der Deutschen eingegangen. Zahlreiche deutsche Städte hatten sich darum beworben, Tagungsort der Nationalversammlung zu werden und einen Städtewettbewerb geliefert wie bei einer Olympia-Bewerbung. Bamberg, Eisenach, Erfurt, Frankfurt, Kassel, Nürnberg und Würzburg - sie alle boten sich als Tagungsort an und manche träumten davon, Berlin als Hauptstadt abzulösen. Doch warum wurde die erste deutsche Republik ausgerechnet in einer Kleinstadt in Thüringen gegründet? Wie kam es zu dieser Ortswahl? Wer traf sie?
Auf der Grundlage zahlreicher Quellen zeichnet Heiko Holste die abenteuerliche Suche nach einem Geburtsort für Deutschlands erste Republik nach und räumt mit zählebigen Legenden auf: Der Grund für den Fortgang aus Berlin war nicht etwa revolutionäre Unruhe in der Hauptstadt, sondern eine 'Los-von-Berlin!'-Stimmung im Reich, die Deutschland an den Rand des Zerfalls brachte.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 27.12.2017
"Warum Weimar?" fragt sich Autor Heiko Holster in seinem gleichnamigen Buch, in dem der Verfassungshistoriker und Jurist der Frage nach der ersten Republikgründung Deutschlands mit wissenschaftlicher Neugier nachgeht, die im Kontext der Ortsfindung eher in Nebensätzen abgehandelt wird, erklärt Rezensent Robert Probst. Die Frage, wie die erste deutsche Republik "zu ihrem Geburtsort kam", ist aber eben weitaus komplexer als ein simples Ausweichen aus der konfliktumwobenen Reichshauptstadt Berlin, wie der Rezensent berichtet. Viel mehr als ein historischer Zufall, hat Weimar seine politische Rolle dem späteren Reichspräsidenten Friedrich Ebert zu verdanken, der mit großer Sorgfalt einen Ort suchte, der weder im preußischen Berlin noch auf bayrischem Boden gelegen sein sollte. Er wollte die Fronten entspannen und eine Republik prägen, welche die Bürger zum richtigen Mitmachen einladen würde. Auch wenn daraus dann erst mal nichts wurde, findet der Rezensent in dem Buch viele Anregungen, die Weimarer Republik neu zu betrachten.
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