Mutlosigkeit ist in Deutschland ein verbreitetes Phänomen geworden, das lange vor Hartz IV und den Folgen der Globalisierung sichtbar wurde. Ihr können unbewußte vagabundierende Ängste zugrunde liegen, die von unverarbeiteten Kriegserlebnisssen herrühren. Leid und Schuld wurden nicht ausreichend betrauert. Das führte zu Irritationen, die bis in die heutige Jugendgeneration weitergegeben werden. Die unbewussten Existenzängste der Deutschen in Ost und West wurden lange durch eine kostspielige Staatsfürsorge - im Westen übrigens ebenso wie in der DDR - in Schach gehalten. Wie stark das politische Handeln der Eliten, aber auch vor allem ihr Unterlassen, ihre Furcht vor einschneidenden Reformen auf die Verluste als Kriegskinder zurückzuführen sind, ist uns nicht bewusst. Ihre Kriegserfahrungen haben die meisten kleingeredet. Wie sehr ihnen"das bisschen Krieg"in den Knochen steckte, haben sie erst im Alter gemerkt. Die kollektiven Ängste aus der Vergangenheit sind eine Last für unsere Zukunft. Dennoch: Wir könnten eine Menge tun, um die German Angst zu überwinden.
Ausgesprochen übertrieben findet Rezensent Hans-Martin Lohmann die Grundthese dieser Publikation, die besagt, dass in Deutschland eine "massive Grundbefindlichkeit" namens Angst zu verzeichnen ist. Basis dieser Erkenntnisse sind Lohmann zufolge Interviews mit bekannten Personen aus Kultur, Wirtschaft und Politik - ältere Jahrgänge zumeist. Die sagen scheinbar manch Nachdenkenswertes. Zur Theorie reicht es dem Rezensenten nicht, der sich zudem ausgesprochen schwer mit dem pathetischen Timbre dieses seiner Meinung nach zudem recht oberflächlich argumentierenden Werkes tut.
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