Aufgrund des Mangels an Toleranz als Voraussetzung größtmöglicher Freiheit steht die junge Demokratie in Ostdeutschland nach 1989 vielerorts auf der Kippe. Gerade unter schwierigen Bedingungen - angesichts dauerhaft ungleicher Lebensverhältnisse in Ost und West - benötigt die vereinte Bundesrepublik mehr Toleranz. Diesem Defizit begegnet die Brandenburger Landesregierung seit Ende der neunziger Jahre mit dem Handlungskonzept "Tolerantes Brandenburg". Es zielt darauf ab, innerhalb zivilgesellschaftlicher Handlungszusammenhänge jene Werte zu fördern, die der Staat selber nicht schaffen kann. Mit dem Handlungskonzept knüpft die Landesregierung programmatisch an den demokratischen Geist von 1989 und die brandenburgisch-preußische Tradition der Toleranz an. Was kann man aus dieser Geschichte lernen? Für den Autor ist die Frage Ausgangspunkt einer Suche nach einer pragmatischen Vision für das Land, in der Toleranz zur zivilen Basis einer gelingenden Entwicklung gehört.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 22.07.2006
Rezensent Gianni D'Amato lobt das Buch des in Potsdam lehrenden Schweizer Autors als "klares Plädoyer für einen liberalen Republikanismus". Als Qualität beschreibt der Rezensent außerdem, dass Heinz Kleger in seinem Buch "gegen kulturelle Vereinheitlichung" eintritt, und hebt besonders die argumentative Vielschichtigkeit dieser Publikation hervor. "Geschickt" verwebt Kleger seiner Aussage nach zwei Argumentationsstränge, nämlich das 1998 beschlossene Konzept "Tolerantes Brandenburg" samt der Frage, inwieweit Bürger und Staat durch dieses Handlungskonzept tatsächlich erreicht worden seien. Der zweite Strang rekapituliere die gescheiterte deutsche Aufklärung, und zwar in Kontrast zu anderen "westlichen Konzepten gesellschaftlicher Toleranz". Auf dieser Basis fand D'Amato außerdem sehr fruchtbringend Fragen der "Integration von Differenz" in den europäischen Einwanderungsgesellschaften erörtert.
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