Wir haben verlernt, wie Gesellschaft geht - und zwar nicht nur im Osten Deutschlands. Das sagt Dirk Neubauer, seit 2013 Bürgermeister der sächsischen Kleinstadt Augustusburg. Was er nach seiner Wahl in der Stadt vorfand, waren Intransparenz, Politikverdrossenheit und ein Gefühl der Verlorenheit. Neubauer ist überzeugt, dass das politische System - entgegen landläufiger Meinung - von innen heraus zu verändern ist und dass wir wieder lernen können, was es heißt, Eigenverantwortung zu tragen, statt sie an den Staat abzugeben. Seine Projekte für Augustusburg, die auf Bürgerbeteiligung setzen, zeigen: Das Engagement der Bürger, das früher wenig beachtet wurde, wächst langsam, aber stetig.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.05.2020
Rezensent Stefan Locke hat das Buch des Bürgermeisters der Stadt Augustusburg mit Gewinn gelesen. Neubauer, der zunächst als Journalist und Unternehmensberater arbeitete, schildert dem Kritiker hier aus eigener Erfahrung, wie bürokratische "Regelungswut" in Deutschland Ideen und Fortschritt zum Erlahmen brächten. Die Kommunen seien in der Regel finanziell nur notdürftig ausgestattet, würden zudem "bevormundet" - was auf Dauer zu "Politikverdrossenheit" und Resignation führe, liest Locke. Neubauer schuf deshalb bereits 2018 einen Bürgerhaushalt, 50.000 Euro wurden vom Stadtrat für Bürgervorhaben zur Verfügung gestellt, erfährt der Kritiker, der das Buch als interessanten Einblick in das Innenleben einer Kommune empfiehlt.
Rezensent Michael Bartsch findet, dass der mittelsächsische Bürgermeister Dirk Neubauer hier sehr unterhaltsam von zermürbender Bürokratie schreibt, wobei er seine Kritik mit anschaulichen Beispielen untermauere. Bartsch scheint aber nicht ganz klar geworden zu sein, wen der Autor ansprechen will, denn Neubauer bemängelt dem Kritiker zufolge zwar das fehlende Interesse der Vernünftigen an der Politik, führt es aber zugleich auf den Umgang des Westens mit der ehemaligen DDR zurück. Aber auch vor "fundamentaler Systemkritik" schreckt Neubauer letztlich zurück, so Bartsch. Was bleibt, ist ein leidenschaftliches und gekonnt geschriebenes Buch über Kommunalpolitik, schließt der Rezensent.
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