Kamel und Dame, Störchin und Storch, Papagei und Mama, Herr und Häsin, Flamingo und Flamingo, Eidechse und Echse ? solcherart sind die tierischen Paarungen, die Helga Glantschnig in ihrem neuen Gedichtband nach Art von Versuchsanordnungen vornimmt. Worum es bei diesen Experimenten geht? Um unsere Bilder von den Tieren und von der Liebe und vor allem: um die Sprache, mit der aus Tieren und Liebe Erkenntnis zu gewinnen sei. Animalisch geht es zu in diesen Tierlieben ? und auch wieder nicht: die Autorin (haustierlos!) sieht und hört, egal, ob als Grille, Kater, Delphin oder Silberfisch, immer dieselben Damen und Herren sprechen, nämlich die höchst witzig ironisierten Figuren unserer bekannten diversen Geschlechterverhältnisse.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 10.01.2001
Richtig innovativ findet Bruno Steiger Helga Glantschnigs neuen Gedichtband nicht, aber Spaß halt er trotzdem daran. Der Untertitel des Bandes behauptet zwar, es gehe um "Tierlieben", aber das eigentliche Thema der Dichterin ist das "Paarungsverhalten von Lettern", meint der Rezensent. Er betont, dass dieses "freie Spiel mit Buchstaben" zwar nicht neu ist und auch nicht unbedingt neue Einsichten transportiert, aber zuviel Analyse tue in diesem Fall nicht gut, denn "wer von Verstehen reden möchte, hat sich bereits um den Genuss gebracht". Im Vergleich zu früheren Gedichtbänden ist Glantschnig diesmal freier geworden, meint Steiger. Während sie sich in einem älteren Band beispielsweise mit Anagrammen beschäftigte, sei in `Kamel und Dame` kein "entschlüsselbares Verfahren in der Behandlung der sprachlichen Materialien" erkennbar. Auch dem inhaltlichen Motiv dieses Bandes kann Steiger nicht auf den Grund kommen. Stören tut ihn das aber nicht.
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