Felix Philipp Ingold

Auf den Tag genaue Gedichte

Cover: Auf den Tag genaue Gedichte
Droschl Verlag, Graz 2000
ISBN 9783854205487
Broschiert, 100 Seiten, 15,34 EUR

Klappentext

Felix Philipp Ingold ? man kennt ihn als dunklen Dichter, als eigenwilligen Übersetzer und anspruchsvollen Essayisten ? überrascht mit einer Sammlung von Alltags- und Gelegenheitsgedichten, die in der Art eines poetischen Taschenkalenders Aphoristisches, Sprachspielerisches, Lyrisches, Triviales, Erinnertes, Geträumtes, Imaginiertes, Assoziiertes, An- und Aufgelesenes wie zufällig aufeinander folgen lassen. Was sich »wie zufällig« ausnimmt, ist aber das Ergebnis einer streng durchgehaltenen Schreibbewegung, der sich der Autor während eines Jahres unterzogen hat: jeden Tag, 366 mal, war ein Gedicht im stets gleichbleibenden Umfang von drei Zeilen zu notieren, wobei Ingold grundsätzlich jeden Impuls ? eine Zeitungsschlagzeile, eine sinnliche Wahrnehmung, eine auftauchende Reminiszenz ? aufnimmt und umsetzt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.03.2001

Hans-Herbert Räkel erinnern diese Gedichte, die mit Ort und Datum ihrer Entstehung versehen sind, geradezu an die "Losungen eines Hundertjährigen Kalenders, eines hinkenden Botens, einer frommen Hauspostille", was jedoch negativer klingt, als es offenbar gemeint ist. Denn gleich anschließend betont der Rezensent, dass Ingold innerhalb dieses Genres "einige sehr schöne Bilder" gelingen. Wenn es darum geht, die Gedichte selbst zu erläutern, lässt Räkel den Dichter selbst sprechen, der darauf hinweist, dass seine `spielerische Wortarbeit eine Errungenschaft des poststrukturalistischen Dekonstruktivismus` sei und dass hier nicht nur die `Bedeutungsebene, sondern auch (...) seine schiere Buchstäblichkeit` entscheidend ist. Räkel weist darauf hin, dass es in diesem Band auch zahlreiche `Leergedichte` gibt, die lediglich aus Punkten bestehen. Diese gehören seiner Ansicht nach jedoch nicht zu den Stärken des Bandes: "schal" und ohne Überraschungen, lautet Räkels Urteil. Doch insgesamt bescheinigt der Rezensent Ingold bei seinen anderen Gedichten durchaus die Fähigkeit, "etwas zu sagen".
Lesen Sie die Rezension bei buecher.de

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 15.02.2001

"Man soll sie nehmen, diese Gedichte", meint Martin Zingg. Die Gründe, die er uns dafür angibt, sind allerdings nicht sehr überzeugend. Dass auf 100 Seiten lyrischer Arbeit viel erlaubt ist, wie er schreibt, "Assoziationen so gut wie Erinnerungen, Zitate und Träume", nun ja. Und ist nicht ein jedes Notat - nicht nur das "tägliche lyrische", um das es hier geht - Ordnungsprinzip und Lizenz zugleich? Wenn der Rezensent gleichsam hinter den vielen kleinen Texten, den täglichen, auch einen großen Text erblickt, so ist das ja immerhin etwas. Mehr jedenfalls als Gedichte, die - wie apart - vom "assoziativen Spiel mit Wörtern" zeugen.
Stichwörter

Beliebte Bücher

Elias Hirschl. Schleifen - Roman. Paul Zsolnay Verlag, Wien, 2026.Elias Hirschl: Schleifen
Franziska Denk wächst im Umfeld des Wiener Kreises auf und leidet als Kind an einer seltsamen Krankheit: Jedes Symptom, von dem sie hört oder liest, bekommt sie sofort. In…
Julian Barnes. Abschied(e). Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln, 2026.Julian Barnes: Abschied(e)
Aus dem Englischen von Gertraude Krueger. Julian Barnes wird im Januar 2026 achtzig Jahre alt. Er weiß, dass die längste Zeit seines Lebens hinter ihm liegt, und er möchte…
Dorothee Elmiger. Die Holländerinnen - Roman. Carl Hanser Verlag, München, 2025.Dorothee Elmiger: Die Holländerinnen
Mit blinkenden Warnlichtern fährt die Erzählerin, eine namenlose Schriftstellerin, an den Straßenrand, als ein unerwarteter Anruf sie erreicht. Am Apparat ist ein gefeierter…
Leila Slimani. Trag das Feuer weiter - Roman . Luchterhand Literaturverlag, München, 2026.Leila Slimani: Trag das Feuer weiter
Aus dem Französischen von Amelie Thoma. Mia, erfolgreiche Schriftstellerin in Paris, kämpft mit "brain fog", einem Gehirnnebel, der ihre Erinnerungen und ihre Arbeit beeinträchtigt.…