Erstaunlicherweise waren bislang die Testimonien und die fragmentarischen Textzeugnisse der wichtigen Vertreter der sophistischen Bewegung noch nicht in ihrem zeitgeschichtlichen Kontext untersucht worden. Die Verfasserin unternimmt in ihrem Buch den Versuch einer kritischen historischen Analyse der geistigen und sozio-kulturellen Richtungen sowie exemplarisch der Wirkungen der antiken "Aufklärungsbewegung" der Sophistik in der griechischen Staatenwelt der zweiten Hälfte des 5. Jahrhunderts v. Chr. Hat die rationale Weltbetrachtung der Sophisten neben dem Mythos auch die Tradition und Moral und damit die Grundlage der griechischen Polisordnung zerstört? - Diese Frage steht im Zentrum der Untersuchung.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.08.2003
Keine Gnade findet Helga Scholtens Arbeit über die Sophistik vor den Augen Uwe Walters. Walter holt lange aus, um die Sophisten zwischen den Vorsokratikern und Platon sowie Aristoteles zu positionieren, die als Wanderlehrer großen Einfluss auf die Öffentlichkeit ausübten, aber sehr verschiedene Denkwege beschritten und insofern, laut Walter, gar nicht als eine Denkschule bezeichnet werden können. Man müsse den Gesamtkontext der griechischen Geschichte und Mentalität schon sehr genau kennen, meint Walter, um das Wirken der Sophisten einordnen zu können. Diesbezüglich enttäuscht ihn Scholtens Arbeit vollständig, zumal sie auch nur das gängige Bild bekräftigen möchte, wie er erklärt. Es sei einfach nicht möglich, erklärt er unwillig, aus der biografischen Überlieferung und Überresten der sophistischen Schriften die von Scholten im Untertitel aufgestellte Frage zu erörtern. Stattdessen paraphrasiere die Autorin langatmig die bekannten Texte, ignoriere dagegen aufschlussreiche Texte von anonymen Autoren und entwickle eine Neigung zum intellektuellen Kurzschluss. Schiefe Formulierungen und formale Mängel runden den schlechten Eindruck ab.
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