Helmut Krausser

Wann das mit Jeanne begann

Roman
Cover: Wann das mit Jeanne begann
Berlin Verlag, Berlin 2022
ISBN 9783827014627
Gebunden, 384 Seiten, 25,00 EUR

Klappentext

Gertrude Clärenore Schmidt ist seit hundert Jahren mit Jacek Wozniak liiert, dem vielleicht ältesten weißen Mann auf Erden. Ihr Weg hat beide um die Welt geführt bis ins französische Clisson, wo das eigenartige Paar von Geschichten eingeholt wird, die lange vor ihnen die Menschen bewegt haben. Starke Frauen spielen darin mit, etwa Jehanne d'Arc und Jeanne de Belleville, eine blutrünstige Piratin. Ein Roman wie ein Paralleluniversum, in dem womöglich andere Naturgesetze gelten und sich alles um die Liebe dreht in ihren vielfältigen Spielarten.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 31.12.2022

Rezensentin Emilia Kröger ist irritiert über das große Lob, das Helmut Kraussers neuer Roman von Daniel Kehlmann in der Zeit erntete. Denn sie selbst kann sehr wenig mit Kraussers verschrobener Mischung aus Liebesgeschichte, Phantastik und Historie anfangen, wie sie deutlich zu verstehen gibt. Ein Liebespaar aus zwei Historiker*innen, Jacek und Trudi, die magische Kräfte haben und sich halbwissenschaftlich mit Jeanne d'Arc und Jeanne de Belleville auseinandersetzen - das funktioniert für die Kritikerin eigentlich auf keiner Ebene: Für eine "lesenswerte" Liebesgeschichte ist ihr das Gefälle in der Beziehung der beiden Figuren zu  groß - Jacek gebe nur chauvinistische Kommentare von sich, Trudi dürfe darüber genervt hinwegsehen -, die magischen Passagen geraten trotz ausdrücklicher Abgrenzung von Esoterik-Broschüren zu vagem Gefasel, und zu einer ernsthaften Auseinandersetzung mit den beiden Jeannes kommt es im Grunde auch nicht, kritisiert sie. Wobei Kröger die Passagen zur "Quellenforschung und Mythenbildung" noch für die stärksten des Romans hält. Insgesamt aber scheint ihr der Roman mit seinen "mauen Gags" und der "altbackenen" Sprache und Geschlechterhierarchie wie "aus der Zeit gefallen".
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 28.07.2022

Daniel Kehlmann möchte keine Rezension schreiben über Helmut Kraussers neues Buch. Zu wenig Distanz, meint er bewundernd über den Freund und Mentor. Dass Krausser nie weg war, auch wenn er in der literarischen Öffentlichkeit kaum noch vorkommt, weiß Kehlmann genau, und er kennt Kraussers schwierige Seiten, die Derbheit, die Neigung zum Tabubruch. Nichts davon im neuen Roman, versichert er. Der Text über Jeanne d'Arc, eine Piratin namens Jeanne, ein Magierpaar a la Jarmusch. die sterbende europäische Kultur und die Liebe hat laut Kehlmann zwar eine höchst komplexe Handlung, doch der Stil ist "entspannt", spielerisch leicht und heiter, versichert er.

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