Kerstin Preiwuß

Restwärme

Roman
Cover: Restwärme
Berlin Verlag, Berlin 2014
ISBN 9783827012319
Gebunden, 224 Seiten, 18,99 EUR

Klappentext

Sind wir jemals frei von dem, was war? "Restwärme" erzählt eine bewegende Geschichte aus der mecklenburgischen Provinz, die doch überall und jederzeit spielen könnte: Mariannes Vater ist gestorben. Aus ihrer eigenen, erwachsenen Existenz kehrt die junge Geologin dahin zurück, wo Mutter und Bruder noch leben, in ein altes Haus am See, irgendwo nördlich von Berlin. Nur ein paar Tage will sie bleiben, bis nach der Beerdigung. Doch was sie glaubte, lange hinter sich gelassen zu haben, holt sie wieder ein. Eine Familiengeschichte voll stummer Tragödien. Ihr Vater war ein gebrochener Tyrann, ihre Mutter duldete und schwieg. Schicht um Schicht trägt Marianne ab. Zum Vorschein kommt, wie Verletzungen durch Krieg und Unfreiheit persönliche Schicksale prägen.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 08.11.2014

Großartig findet Moritz Scheper den Roman von Kerstin Preiwuß. Die Schelte der Bachmann-Jury hält er auch jetzt noch für völlig fehlgeleitet und weist uns hin auf die leise Zurückhaltung des Textes, ein restrospektiv entfaltetes Familientrauma in der mecklenburgischen Einöde. Wie Preiwuß die kaputte Beziehungsmatrix ihrer weiblichen Hauptfigur entfaltet, scheint dem Rezensenten in der vorgeführten Lakonie und Feinsinnigkeit stark. Auch sprachlich überzeugt ihn die Autorin - mit einem für einen Roman durchaus ungewöhnlichen Rhythmusgefühl.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 17.07.2014

Rezensent Christoph Schröder muss sich dem Missfallen der Jury der diesjährigen Bachmann-Preis-Verleihung für Kerstin Preiwuß' Debütroman leider anschließen: Alles, was man zu lesen bekommt, ist weder neu oder innovativ, noch gelungen komponiert und angerichtet. So fasst der leicht gelangweilte Kritiker zusammen: Eine junge Frau, Marianne, kehrt zurück in ihr Heimatdorf im provinziellen Mecklenburg-Vorpommern. Anlass ist der Tod des Vaters, der die Protagonistin mit einem Rattenschwanz an Geschichten, Ereignissen und Vorkommnissen konfrontiert. Eine Vergangenheitsbewätigungsflut in düsteren Farben, in einer kaputten Welt, die den schmalen Band zu sprengen und den Leser zu ersticken droht, klagt Schröder. Einzig Preiwuß' Sprache kann der Rezensent ein wenig abgewinnen: In klaren, prosaischen Dialogen und gelungenen Beschreibungen erkenne man das Potenzial der Schriftstellerin und - zwischen all dem DDR-Grau und Schwarz - Schönheit.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 12.07.2014

Nadine Hemgesberg prüft die Vorabkritiken, die der Roman der Lyrikerin Kerstin Preiwuß einst beim Bachmannwettbewerb erhielt und stellt fest: Nicht immer bemüht die Autorin das metaphorische Brecheisen, für das man sie kritisierte, um ihre Genealogie eines Traumas, von Krieg, Verstörung und Gewalt und Missbrauch, zu erzählen. Im Gegenteil. Hemgesberg entdeckt im Text immer wieder Leerstellen, die ihr die Interpretation erschweren und die Lektüre interessant machen, und Dialoge, die sie an Beckett erinnern. Das offensichtliche Psychologisieren tritt dann laut Rezensentin hinter semantisch Uneindeutigem zurück und die fortwirkende traumatische Vergangenheit wird fassbar.

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