Jede Station, jedes Tableau in dieser Erinnerung an ein Künstlerleben ist auch eine Station der neueren deutschen Geschichte. Es geht um Ruhm und die neue Religion der Provokation, um Auffallen und Anerkennung. Geht es dabei auch komödiantisch zu? Korrekt, es geht. Spott, Ironie und das Große Stille Lachen vor Gericht sind notwendige Facetten dieser Inszenierung. "Denn nur, wenn man beim Betrachten oder Hören oder meinetwegen auch beim Lesen eines Werkes der Kunst nicht an Kunst denken muss, und zwar keine einzige, nicht einmal den Bruchteil einer Sekunde lang, erst dann begreift man Kunst", lässt Spengler seinen Freund, den Maler Jörg Immendorff behaupten.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 25.04.2016
Rezensentin Catrin Lorch hat eine böse Vermutung: Ist es möglich, dass der Autor Tilman Spengler den Maler Jörg Immendorff gar nicht so gut gekannt hat wie er behauptet? Das jedenfalls legt ihr die Lektüre des "waghalsigen" Buches nahe, in dem Spengler einen neuen Zugang zum Künstler verspricht, laut Lorch jedoch nicht viel mehr als hastig notierte Schlüsselsätze bietet und ein Bild des Malerfürsten, das für die Rezensentin genau den narzisstischen Großkünstler zeigt, den der Boulevard einst innig umarmte. Einziger Unterschied zur Bildzeitung, ätzt Lorch: längere Zitate. Nein, vom neugierigen, lustigen Immendorff kann sie bei Spengler leider nichts entdecken.
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