Sie waren wie "Vizekönige" in Deutschland, wie privilegierte Prokonsuln oder - wie Adenauer formulierte - "in gewisser Weise (die) Herren" über die junge Bundesrepublik. Gestützt auf ein Besatzungsstatut, das teils über, teils neben dem Grundgesetz den Verfassungsrahmen bildete, förderten und steuerten die Hohen Kommissare die Eingliederung der Bundesrepublik in die westliche Staaten-, Werte-, Wirtschafts- und Verteidigungsgemeinschaft. Bisherige zeitgeschichtliche Arbeiten weisen ihnen zu Unrecht Nebenrollen zu. In dieser durch Archivstudien ergänzten Zusammenschau stehen die Hohen Kommissare und ihre Apparate im Mittelpunkt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.04.2005
Erhellend, wenn auch teilweise etwas "kleinkariert" erscheint Rezensent Henning Köhler Helmut Vogts Untersuchung des Wirkens der Alliierten Hohen Kommissare in der frühen Bundesrepublik. Dabei steht laut Köhler nicht die Politik der Hohen Kommissare im Mittelpunkt, sondern der Gesamteindruck, das tägliche Procedere auf den verschiedenen Ebenen. So informiere Vogt "gründlich" über das Miteinander wie das Nebeneinander der Kommissare, ihr Personal und ihre Gepflogenheiten bis hin zur Freizeitgestaltung: "Wir erleben die Bonner Politik aus einem besonderen Blickwinkel". Etwas unglücklich erscheint Henning freilich der Titel des Buchs: "Wächter der Bonner Republik". Im Text spreche Vogt zutreffender von "Tutoren", und davon, dass die Hohen Kommissare mehr assistierende Tätigkeit ausgeübt und mit den kooperationswilligen Deutschen zusammengearbeitet hätten. In der Flut an Details droht der Rezensent aber stellenweise unterzugehen. Ob es bei einem Besuch Adenauers nun Sekt oder, wie Vogt festhält, nach der abweichenden "alliierten Überlieferung" Champagner gegeben hat, ist Köhler herzlich egal. Aber diese Kleinigkeiten "verfolgen den Leser gnadenlos".
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