Mit den Originaldokumenten in englischer Sprache und übersetzt von Gabriele Rieth-Winterherbst. Der Stempel "Secret" ausgebleicht, die eng beschriebenen Schreibmaschinenseiten vergilbt, so lag sie jahrzehntelang unentdeckt im Nationalarchiv in Washington, D.C.: die Liste von rund 1500 Deutschen - Publizisten, Künstlern, Anwälten, Klerikern, Gewerkschaftern, Politikern -, die nach Einschätzung der Alliierten dafür infrage kamen, nach der Kapitulation am Wiederaufbau eines demokratischen Staates mitzuwirken. Die Amerikaner, die die Namen schon während des Zweiten Weltkriegs zusammentrugen, nannten sie die "Weiße" Liste, weil sie nur Personen mit einer anti- oder nicht-nazistisch vermuteten Gesinnung umfasste. Mitte der 1970er-Jahre stieß der Historiker Henric L. Wuermeling bei Recherchen auf die Liste, die sich wie ein spannendes "Who's who" der Hoffnungsträger liest.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.10.2015
Marian Nebelin interessiert sich sehr für die "Weiße Liste", die nun in einer erweiterten Neuauflage, besorgt durch den Journalisten Henric L. Wuermeling, komplett erscheint. Schon das mitabgedruckte Faksimile der Originalliste ermöglicht ihm Erkenntnisse. Die Abweichungen zwischen Original und korrigierter Übersetzung (Adenhauer/Adenauer) bedeuten ihm das Informationsdefizit der amerikanischen Besatzungstruppen in Deutschland 1944. Wem war zu trauen, wer hatte mit den Nazis kollaboriert? Schade bloß, dass der Autor auf eine weitergehende Interpretation der Liste und ihrer Funktion verzichtet, findet Nebelin.
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