Aus dem Amerikanischen von Joachim Kalka, Werner Schmitz, Heinrich Spies, Helmut Winter und Hans Wolf. H. L. Mencken, als sprachmächtiger Essayist und Journalist in den USA fast eine Institution, war im deutschen Sprachraum in den letzten Jahrzehnten so gut wie vergessen. Seine Wiederentdeckung konnte nur eine Frage der Zeit sein. Menckens Stil ist eine Mischung aus präziser Beobachtung und schamlos persönlichem Urteil, aus historischer Analyse und derber Satire, aus teutonischer Grobheit und amerikanischer Unbekümmertheit.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.06.2003
Zum Kennenlernen des unerschrockensten amerikanischen Kritikers H.L. Mencken (1880 bis 1956) empfiehlt Ernst Osterkamp den dritten, die kleine Werkausgabe abschließenden Band. Er enthalte eine charakteristische Auswahl seiner Stellungnahmen zu dem Thema, was es heißt, ein Amerikaner zu sein, allgemeine Äußerungen zur Literaturkritik und Literaturrezensionen. Beginnen wir mit dem Letzteren: Mencken war ein gnadenloser Kritiker, der häufig den Holzhammer schwang, behauptet Osterkamp. Er habe nie ein College besucht, verrät dieser, und er verachtete die Literaturtheorie. Menckens Urteil könne man in diesem Sinne wohl kaum subtil nennen, witzelt der Rezensent, aber treffend und vor allem effektiv sei es schon gewesen. Mencken half, Joseph Conrad, Theodore Dreiser und Sinclair Lewis beim amerikanischen Publikum durchzusetzen. Er war ein scharfer Kritiker, und dies galt umso mehr für das eigene Land, so Osterkamp und rät allen antiamerikanisch gesinnten Zeitgenossen, erstmal bei Mencken reinzuschauen: seine Artikel flößen einem "nämlich tiefen Respekt vor der amerikanischen Fähigkeit zu nahezu unbegrenzter Selbstkritik" ein, schreibt Osterkamp.
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