Gegenüber der Hölle als jenseitigem von Angst- und Rachephantasien genährten Straf- und Vergeltungsort scheinen Himmel und Paradies vergleichsweise langweilig. Gerade in der theopolitischen Konstellation unserer Tage hat sich aber erwiesen, wie stark paradiesische Vorstellungen, himmlische Versprechungen und utopische Versuchungen das oft blutige Handeln von Menschen beeinflussen. Schon das wäre Grund genug, die Geschichte der Paradies- und Himmelsvorstellungen und -lehren in allen drei monotheistischen Religionen nachzuzeichnen.Der bedeutende Rahnerschüler, Theologe und Religionshistoriker Herbert Vorgrimler geht aber noch einen Schritt weiter. Nicht nur rekonstruiert er die Geschichte des Paradieses und des Himmels genau aus ihren religiösen, dogmatischen, literarischen und kulturhistorischen Quellen, er zeigt auch, welche Hoffnungen und Ängste sie in den verschienenen Kulturen binden und warum alle Versuche der "Eroberung des Himmels" doch immer zu dessen Gegenteil führen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 29.05.2009
Als Buch für Gläubige und Ungläubige gleichermaßen bezeichnet Hans-Herbert Räkel die "Geschichte des Paradieses und des Himmels" von Herbert Vorgrimler. Räkel versteht das Buch als ergänzende Fortsetzung von Vorgrimlers "Geschichte der Hölle". Dass der Autor sich für beide Varianten des Jenseits interessiert, findet Räkel bemerkenswert, wie er überhaupt manche Einlassung des katholischen Theologen für mindestens ungewöhnlich, ja mutig hält (etwa zu Marx). Räkel liest den "wohldokumentierten" ersten Teil über das Paradies in der christlichen Vorstellung, wird von Vorgrimler aber auch mit jüdischen und islamischen Perspektiven versorgt. Der zweite Teil lehrt ihn anhand der wichtigsten Quellen und (eher marginal) auch der Dichtung Rührendes über unseren Glauben bezüglich des Himmels. Räkel entdeckt hier überraschende Textauszüge. Des Autors Zurückhaltung (auch in der Schlussbetrachtung) in Ehren haltend, hätte Räkel nichts dagegen gehabt, wäre Vorgrimlers Kommentar nicht ganz so sparsam ausgefallen.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 17.12.2008
Bernhard Lang gibt Entwarnung: Nichts für Spekulanten in diesem Buch des Münsteraner Theologen Herbert Vorgrimler. Wenn der Autor dem Zeitgeist eine stärkere Wirkungsmacht zutraut als der absoluten Wahrheit, so findet Lang das zeitgemäß. Die Frage nach dem christlichen Einfluss auf den Geist der Zeit und die Gesellschaft beantwortet Vorgrimler dem Rezensenten ebenso frisch mit dem Entwurf einer Rolle des "verhinderten Störfaktors" und empfiehlt im übrigen, vor allem bezüglich spekulativer Himmelslehren, "gläubiges Schweigen". Die Himmelslehren darf Lang mit Vorgrimler zwar kulturgeschichtlich durchforsten, er vermisst dabei allerdings die umfassende interpretatorische Unterstützung des Autors. Um so mehr, als das wenige, was der Autor anbietet, Lang bedenkenswert erscheint.
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