Stürzte Willy Brandt im Mai 1974 wirklich wegen des DDR-Agenten im Vorzimmer? Hermann Schreiber, der damals als "Spiegel"-Reporter die Ereignisse hautnah miterlebt hat, wartet mit neuen Erkenntnissen auf. Heute, fast dreißig Jahre später, will er das letzte Kapitel der Ära Brandt so erzählen, wie es wirklich war.
Rezensionsnotiz zu
Die Zeit, 25.09.2003
Wirklich Neues über die Hintergründe von Willy Brandts Rücktritt am 5. Mai 1974 hat Hermann Schreibers "Kanzlersturz" nicht zu bieten, meint Rezensent Gregor Schöllgen. Seiner Ansicht nach hat Arnulf Baring bereits 1982 in seinem Buch "Machtwechsel" ausführlich dargelegt, wie sich damals alles zugetragen hat. Schöllgen wirft Schreiber vor, von den Rückblicken der Zeitgenossen und seinen eigenen Erinnerungen abgesehen, weder wesentliche neue Quellen aufgetan zu haben, noch eine originelle Interpretation von Brandts Rücktritt zu liefern. Genau genommen habe Schreiber gar kein Buch über Brandt geschrieben, sondern ein biografische Porträt Günther Guillaumes, des Spions, über den Brandt stolperte, präzisiert Schöllgen. Er merkt an, dass Guillaume nicht der Grund für Brandts Rücktritt war, allenfalls der Anlass. Den wahren Grund sieht Schöllgen in Brandts Biografie, die ein Leidensweg gewesen sei, "wie ihn kein zweiter Kanzler vor oder nach ihm hat zurücklegen müssen". Darüber erfährt man bei Schreiber zum Bedauern Rezensenten allerdings nur wenig.
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