Eine Polit-Affäre zerstörte seine Jugend. Die kritische Auseinandersetzung des Sohnes von Günter Guillaume mit seinem Vater und einem dramatischen Kapitel der jüngsten Zeitgeschichte - Pierre Boom ist ein Wanderer zwischen West und Ost, der in beiden Deutschlands aufwuchs und vielfältige Einblicke hinter die Kulissen von Politik und Gesellschaft, Geheimdiensten und deren Machenschaften gewinnen konnte.
Die Erinnerungen von Pierre Boom, dem Sohn des "Kanzlerspions" Günter Guillaume, stellen nicht nur eine "faszinierende Studie über die seelenzerstörenden Macht einer autoritär gewordenen Welt" dar, resümiert Klaus Harpprecht. Unser Rezensent ist darüber hinaus der Auffassung, dieses Buch "könnte in der Tat das Protokoll einer Schizophrenie genannt werden". Durch den Wechsel mehrerer Erzählperspektiven - der "'objektive' Bericht", die Einwürfe Pierre Booms und die Beobachtungen seines Koautors Gerhard Haase-Hindenberg sind durch ein verändertes Schriftbild angezeigt - sei die "chronische Spaltung der Persönlichkeiten" sensibel nachgezeichnet worden. Wem genau unser Rezensent diese Diagnose stellt, ist nicht eindeutig: dem enttarnten, wieder in die DDR übersiedelten und dort "zu einer Existenz der komfortablen Bedeutungslosigkeit" verdammten "Heldenspion"; dem verwirrten, rebellischen Sohn, der den "radikalen Rollenwechsel" des Vaters mit wachsender Befremdung wahrnahm, Pierres verbitterter Mutter oder gar allen beteiligten Akteuren? Jedenfalls spricht Harpprecht dem Autor Respekt und seinem Partner seine deutliche Anerkennung aus.
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