Am 18. Januar 1979 flüchtete Werner Stiller in die Bundesrepublik Deutschland. Mit sich trug er zwei Koffer, in denen sich geheime, hoch informative Unterlagen befanden, die unter anderem zur Enttarnung zahlreicher Westagenten der Staatssicherheit führten. Dazu gehörte auch Karl-Heinz Glocke, langjähriger Spion in den Rheinisch-Westfälischen Elektrizitätswerken und Major des MfS, der wenige Tage danach verhaftet wurde. Der Übertritt Stillers hatte verheerende Folgen für viele Betroffene. Bei deren Aufarbeitung nach dem Ende der DDR hat eine Opfergruppe bisher kaum das Wort ergriffen: die Kinder der Verräter. Sie sahen sich über Nacht ihrer Väter beraubt, fühlten sich getäuscht und verlassen und mußten sich schließlich der Lüge und dem Schweigen beugen. Über zwei Jahrzehnte später unternimmt Nicole Glocke den Versuch, sich mit den Motiven ihres Vaters auseinanderzusetzen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 01.12.2003
"Eindrucksvoll" ist die einzige Wertung, die sich Dieter Wulf auf seiner halbseitigen Besprechung des Buchs von Nicole Glocke und Edina Stiller entlocken lässt. Aus zwei Perspektiven werde ein deutsch-deutsches Drama erzählt. "Zwei Lebensgeschichten, die auch für die Geschichte des geteilten Deutschland stehen", meint der Rezensent. Die Väter beider Autorinnen waren Spione für die jeweils andere Seite, die Flucht Werner Stillers in die BRD verändert das Leben der beiden Autorinnen tief greifend, beide waren damals noch Kinder. Die in der DDR zurückgelassene Familie Stiller wird zwangsumgesiedelt, Karl Heinz Glocke aufgrund der von Stiller mitgebrachten Unterlagen als Stasi-Spion enttarnt und verhaftet. Beide Familien wussten nichts von der Tätigkeit der Väter, für beide hatte der Vorfall entscheidende Folgen.
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