Herve Le Tellier

Die Sextinische Kapelle

Cover: Die Sextinische Kapelle
Diaphanes Verlag, Zürich 2018
ISBN 9783035800418
Broschiert, 96 Seiten, 10,00 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Jürgen Ritte. In doppelter Reverenz sowohl an Arthur Schnitzlers "Reigen" wie auch an Harry Mathews' "Die Lust an sich" versetzt Hervé Le Tellier das erotische Karussell in vergnügliche und wohltuend unverklemmte Drehung. Die in guter oulipotischer Manier permutierten Arrangements von dreizehn Frauen und Männern bilden ein frivoles Rondo wechselnder Paarläufe und heiter-skurriler Geschlechtsakte. Dem Rhythmus der Sextine folgend entfaltet Le Tellier einen kunstvollen Fries des Sexes.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 09.02.2019

Natürlich spielt Hervé Le Tellier im Titel seines neuen Gedichtbandes auf die Sixtinische Kapelle, auch auf Sex an, erkennt Rezensent Martin Zingg. In erster Linie aber greift der Titel die Form der Dichtung, die Sestine, auf, fährt der Kritiker fort und erklärt: Es handelt sich dabei um eine sehr strenge Dichtungsform, die gern von Petrarca und Dante, Martin Opitz und Andreas Gryphius, zuletzt auch von Oskar Pastior und Jan Wagner verwendet wurde. Auch die Vertreter des Autorenkreises der Oulipoten - zu Deutsch: "Werkstatt für potenzielle Literatur", dem Le Tellier angehört, lieben jenen formalen Zwang, der ihnen die Möglichkeit gibt, ein lyrisches "Labyrinth" zu bauen, aus dem sie sich selbst wieder befreien müssen, so Zingg. Dazu kommt bei Le Tellier, dass er hier jeweils dreizehn Frauen und Männer auftreten lässt, die alle untereinander sexuelle Begegnungen eingehen, so dass der Kritiker insgesamt 78 Aufeinandertreffen beiwohnt. Klingt kompliziert, macht aber viel Freude, versichert der Rezensent, der vergnügt verfolgt, wie Le Telliers Reigen der sexuellen Lust frönt und sich dabei aus dem lyrischen "Korsett" befreit. Nach der Lektüre greift Zingg sofort zum nun auch auf Deutsch erschienenen Gedichtband "Die Lust an sich" des Oulipoten Harry Matthews, der das ganze nochmal in einer Folge von "masturbatorischen Szenen" durchspielt.