Ausgewählt und mit einem Vorwort von Hans Thill. Aus dem Französischen von Eugen Helmle und Ludwig Harig. Wer den berüchtigten Sprachakrobaten und Humoristen der französischen Moderne entdecken möchte (oder jemanden auf seine Spur setzen will): hier die abgedrehtesten Passagen seiner berühmtesten Werke als Einstiegsdroge. Hans Thill stellt den Romancier, Poeten, Kritiker, Cineasten, Mathematiker und Philosophen mit Beispielen aus seinem gesamten literarischen Werk vor: den berühmten Stilübungen, Überlegungen der merkwürdigsten Art, witzigen Romanpassagen und hintergründigen Reimereien, von denen viele hier in seiner Übersetzung erstmals in deutscher Sprache erscheinen.
Rolf Vollmann macht sich in seiner Rezension auf stilistisch sehr verspielte Weise Gedanken darüber, ob das Buch mit Texten von Raymond Queneau heutigen Lesern noch etwas zu sagen hat oder ob es nur etwas für nostalgische "Alte" ist. Der Rezensent fühlt sich mit Macht in die Zeiten des französischen Films der sechziger Jahre zurückversetzt, wobei er, wie er hervorhebt, keineswegs sagen will, dass dies "bessere Zeiten" gewesen seien. Aber sind die Geschichten "noch was für heute" oder muss man nicht feststellen, dass auch Texte altern? Ohne diese Frage direkt zu beantworten, erweckt Vollmann den Eindruck, dass dieses Buch mit ausgewählter Prosa schon etwas Staub angesetzt hat.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.08.2003
Als "diskreten Klassiker" würdigt Rezensent Niklas Bender den hierzulande weniger bekannten französischen Schriftsteller Raymond Queneau (1903 bis 1976), der Anfang 2003 seinen hundertsten Geburtstag gefeiert hätte. In seinen Texten - am bekanntesten sind seine "Stilübungen" (1947) und "Zazie in der Metro" (1959) - treffen nach Auskunft Benders mathematisches Kalkül und linguistisches Experiment auf antike Mythologie und das Surreale, vereinigt durch seinen hintergründigen Humor. Die nun von Hans Thill herausgegebene Anthologie "Unwahrscheinliche Flausen bekehrter Sodomiten", die das Jubiläum des Autors begehen und ihm zu neuen Lesern verhelfen möchte, bietet nach Ansicht Benders einen "gelungenen Querschnitt mit dem Schwerpunkt auf der humoristischen Seite des Oeuvres". Wobei Thill die Stellen bevorzuge, wo Situationen ins Surreale kippen. Dennoch zeigt sich Bender mit der Anthologie höchst unzufrieden. Ärgerlich findet er etwa die vielen Fehler, die sich eingeschlichen haben, sowie die "willkürlichen Veränderungen" der Vorlage. Eine der Reproduktionen moniert er als "ganz verdorben". Zudem rügt er die den Texten angefügten Datierungen als "inkonsequent und fehlerhaft". "Angesichts dieser Lieblosigkeit", resümiert der Rezensent, "sei dem Leser empfohlen, lieber gleich einen Roman oder Gedichtband Queneaus in die Hand zu nehmen."
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