Wurde Aachen zur Europastadt, weil Karl der Große ein passionierter Schwimmer war? Und was hat Mao Tse- tung damit zu tun? Beide Herrscher verbindet eine Politik des Schwimmens. Indem die politischen Akteure sich schwimmend abbilden ließen, wurde der eigene Körper zum Ausweis von sportlicher Tatkraft, patriarchalischer Fürsorge und Führungsstärke überhöht - und das Schwimmen zum Hauptelement einer körperbezogenen politischen Ikonologie.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 26.03.2014
Urs Hafner findet es großartig, wie der Kunsthistoriker Horst Bredekamp in diesem Band nicht nur den großen Abstrakten Karl den Großen mittels scharfsinniger Quellendeutung in für Hafner staunenswert neues Licht taucht, sondern auch zeigt, welche Rolle Abbildungen auf Skulpturen, Architektur oder Münzen, etwa Badefreuden und Frisuren, im Kontext der Herrschaftspraxis spielen. Imperiale Eigenheiten des Kaisers erinnern Hafner zudem an die Selbstdarstellungspraktiken heutiger Herrscher hoch zu Roß.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 11.03.2014
Christine Tauber muss schon manchmal schmunzeln bei der Lektüre von Horst Bredekamps Versuch einer symbol- und körperpolitischen Untersuchung zu Karl dem Großen. Nicht selten geht die Spekulation mit dem Autor durch, erklärt sie, werden Ursache und Wirkung beliebig umgekehrt und der Pseudodialektik gefrönt. Was hier Dichtung, was Wahrheit ist, vermag die Rezensentin nicht immer zu entscheiden. Doch halb so schlimm. Solange der Autor der Rezensentin nur so fantasievoll und thesentoll etwa die Schwimmgewohnheiten oder die "Haar-Politik" des Kaisers auf ihre ikonografischen Traditionsverbindungen hin abklopft.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.01.2014
Eigenem Bekunden zufolge hätte Andreas Platthaus dieses Buch des Berliner Kunsthistorikers Horst Bredekamp vielleicht weniger kritisch gelesen, wenn er nicht noch so deutlich dessen Blamage vor Augen hätte. Doch da Bredekamp nun mal erst kürzlich auf gefälschte Galileo-Zeichnungen hereingefallen ist, fallen Platthaus gleich mehrere Ungenauigkeiten und Schnitzer unangenehm auf, die er dem Autor früher nicht so übel genommen hätte. Aber auch von der These dieser Studie zum Bildnis Karl des Großen ist Platthaus nicht überzeugt, die im Schwimmen oder Baden das zentrale Herrschermotiv dieses Kaisers erkennt. Platthaus sieht darin eine "rhetorische Effekthascherei", die er so auch schon im Merian-Heft zu Aachen und seinen Schwefelquellen gelesen hat, zumal er Bredekamps Beweisführung alles andere als schlagkräftig findet. Und wenn der Topos von schwimmenden Souverän nicht nur kunsthistorische Wellness sein soll, dann hätte sich der Rezensent eine fundiertere Ikonografie schwimmender Herrscher gewünscht.
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