Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 01.04.2000
Die Autorenliste dieser literarischen Anthologie ist lang, und weil alles so schön ist, führt Manuela Reichart dem Publikum gleich einiges vor. Zum Beispiel Kleists Anekdote, die einen Kapuziner zum Todgeweihten, den er bei Regen zum Galgen begleitet, sagen lässt, er solle sich übers Wetter nicht beklagen, denn er, der Verurteilte, müsse nur hin, er selber durch den Regen aber auch wieder zurückgehen. Wer sonnigere Beispiele will, für den zitiert sie aus einem Kästnergedicht - `Man könnte sich mit Blumen unterhalten/ und Wiesen streicheln wie sein Fräulein Braut` - und amüsiert sich über Brechts Gewitterfurcht, von der Max Frisch hier berichtet. Das Beste scheint ihr Rahel Varnhagens Lebensregel zu versprechen: `Was machen Sie? Nichts, ich lasse das Leben auf mich regnen.`
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