Autoritäre Staaten in aller Welt kämpfen immer rücksichtsloser um wirtschaftliche Dominanz. Und sie tun es mit System: Staatskapitalismus lautet die Formel, die westliche Unternehmen und Demokratien das Fürchten lehrt. Stehen wir an der Schwelle eines neuen Kalten Krieges, der nicht mehr mit militärischen, sondern mit wirtschaftlichen Mitteln geführt wird? Riesige Unternehmen wie Gazprom und Rosneft, Sinopec und die Industrial and Commercial Bank of China (ICBC) werden von staatlicher Seite massiv unterstützt - finanziell und durch die Gesetzgebung. Sie verfolgen nicht nur wirtschaftliche Ziele, sondern politische: Sie sollen den Einfluss ihres Ursprungslands und seiner Machthaber sichern. Zur Durchsetzung ihrer Interessen ist jedes Mittel recht: Preiskämpfe, Lohndumping, Bestechung. Die Hauptakteure sitzen in China, Russland, Saudi-Arabien und im Iran - doch ihr Erfolg ruft immer mehr Nachahmer in den Schwellenländern auf den Plan.
Nach Informationen des Rezensenten Hannes Koch ist Ian Bremmer in der Welt der globalen Wirtschaft ein angesagter Mann, der in Davos ein eigenes Panel leitet. In seinem Buch warnt er vor den im Zuge der Finanzkrise laut gewordenen Rufen nach mehr Staat. Denn was mit der Regulierung von Banken beginne, ende mit einem Staatskapitalismus a la China, Russland oder Saudi-Arabien. Dieses von Bremmer an die Wand gemalte Horrorbild jagt dem Rezensenten zwar einen Schrecken ein, überzeugt ihn aber nicht. Mit Schützenhilfe von der Stiftung Wissenschaft und Politik argumentiert Koch, dass die ökonomische Macht saudischer oder chinesischer Staatsfonds zwar groß ist, bisher aber nicht in politische Macht umgewandelt wurde. Auch sieht der Rezensent einen großen Unterschied zwischen der "Selbstbehauptung" des politischen Gemeinwesens und dem Agieren eines staatlichen Großkonzerns wie Gazprom.
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