Steffen Dobbert, Ulrich Thiele

Nord Stream

Wie Deutschland Putins Krieg bezahlt
Cover: Nord Stream
Klett-Cotta Verlag, Stuttgart 2025
ISBN 9783608966275
Gebunden, 400 Seiten, 18,00 EUR

Klappentext

Erstmals porträtieren die Autoren alle wichtigen Personen der Affäre und decken die geheimen Machenschaften des Kreml auf. Jahrelang kämpft die Landesregierung in Mecklenburg-Vorpommern für den Bau der russischen Ostsee-Pipeline und stellt sich in den Dienst Putins. Ungestört baut Gazprom in Deutschland ein korruptives Netzwerk auf.  Steffen Dobbert und Ulrich Thiele enthüllen besorgniserregende Zusammenhänge: Warum fließen 200 Millionen Euro aus Moskau an die deutsche Ostseeküste? Weshalb gibt eine deutsche Behörde geheime NATO-Daten an Gazprom weiter? Wieso ignoriert die Bundesregierung ukrainische Warnungen vor einer Kriegseskalation? Und sie zeigen, wie Dutzende Volksvertreter sich für die Energieaußenpolitik Putins einsetzen, wie ein Ex-Spion der DDR einen folgenschweren Deal mit Gerhard Schröder und Manuela Schwesig verabredet und wie ein geheimes Schiff in der Ostsee an der Fertigstellung der Pipeline arbeitet. Sie entlarven die Strategien, mit denen Putin die EU spaltet, die Ukraine schwächt und Entscheidungsprozesse in Demokratien manipuliert.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 03.05.2025

Rezensentin Yelizaveta Landenberger ist "erschüttert" von Steffen Dobberts und Ulrich Thieles Buch, aber begeistert von der journalistischen Leistung der Autoren. Denn in ihrem Buch, das eine harte Abrechnung mit Deutschlands Mitverantwrotung an Russlands Angriffskrieg auf die Ukraine ist, nämlich in Form der Mitfinanzierung über Gaszahlungen und die Unterstützung von Nord Stream 1 und 2, graben die Journalisten nicht nur zahlreiche schockierende Fakten aus: anhand vieler noch unbekannter Quellen und Hunderten Interviews können Dobbert und Thiele etwa belegen, dass die deutsche Regierung sich durchaus über die weltpolitischen Risiken einer Gasabhängigkeit von Russland bewusst war, es etwa auch entsprechende Meetings gab, dass die Warnrufe aus der Ukraine aber schlichtweg ignoriert wurden, liest Landenberger. Auch um die Rolle Gerhard Schröders geht es, der als Aufsichtsratsvorsitzender der Nord Stream 2 AG quasi zum Lobbyisten für Gazprom wurde, oder darum, dass Dobbert von seinem früheren Zeit-Online-Chef Theo Sommer freundlich untersagt worden sei, russlandkritische Artikel zu schreiben. Zusätzlich gelinge es den Autoren, ihre Entdeckungen packend, in "szenischer Erzählweise", aufzuschreiben, lobt die Kritikerin. Eine erhellende "journalistische Meisterleistung", die nach einer "ehrlichen Aufarbeitung" schreit, schließt Landenberger.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 15.03.2025

Rezensent Michael Hesse ergrimmt bei der Lektüre von Steffen Dobberts und Ulrich Thieles Buch. Denn die von den Autoren angebotene Antwort auf die vielgestellte Frage, wie es zum russischen Angriffskrieg auf die Ukraine kommen konnte, ist so ernüchternd wie einleuchtend, vermittelt Hesse: durch eine, oder zumindest zu einem wesentlichen Teil durch eine deutsche Mitfinanzierung des Krieges in Form der Milliarden, die Deutschland für Nord-Stream-2-Gas an Russland zahlte. Wie das Journalistenduo die Fakten auf dieses harte Urteil hin ausrichtet, liest sich zwar "wie ein Krimi", ist für den Kritiker deshalb aber nicht weniger richtig - im Gegenteil: bestens recherchiert findet Hesse, wie Dobbert und Thiele die endlosen Verstrickungen deutscher Politiker und Politikerinnen ins folgenreiche deutsch-russische Geschäft und die damit verbundenen Heucheleien bzw. Verfehlungen offenlegen: von der fraglichen Notwendigkeit von Nord Stream 2 über wegignorierte Warnungen vor Russlands geopolitischer Gier von verschiedensten Seiten bis hin zur "Gefühlskälte" gegenüber der Ukraine, die etwa ein Christian Lindner nach Kriegsbeginn an den Tag legte, erinnert sich Hesse bitter. Für den Kritiker ein ernüchterndes, aber gelungenes Buch über einen "historischen Fehler" der deutschen Politik.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.03.2025

Rezensent Reinhard Veser ist erschrocken darüber, was Steffen Dobbert und Ulrich Thiele über die deutsche politische Unterstützung des Projekts Nord Stream 2 ans Licht befördern. Grundtenor des Buches ist, dass es sich bei dem Pipelineprojekt nicht, wie behauptet, um ein Projekt der Privatwirtschaft handelte, sondern um ein politisches Projekt, das vor allem russischen Interessen diente und vermittels Korruption vorangetrieben wurde. Veser rekapituliert zunächst mit Dobbert und Thiele die bereits bekannten Dimensionen des Skandals, der vor allem in Mecklenburg-Vorpommern weite Kreise schlug, besonders heikel ist eine Landesstiftung, die sich vorderhand dem Umweltschutz widmen sollte, tatsächlich jedoch vor allem der Kooperation mit dem russischen Unternehmen Gazprom diente. Die Autoren stellen dies nicht nur noch einmal in einem gut aufgebauten Text dar, sondern können auch mit einigen neuen, erschütternden Erkenntnissen aufwarten, was das Ausmaß der Zusammenarbeit mit Russland betrifft - Veser geht in diesem Zusammenhang auf Forderungen von Nord Stream ein, Informationen über Waffensysteme der Bundeswehr zu erhalten, vorgeblich um die eigenen Pläne zu verbessern. Die deutschen Behörden schlugen sich damals auf die Seite von Nord Stream und Gazprom, erläutert der Rezensent mit Dobbert und Thiele. Insgesamt zeigt dieses auf, wie dringlich es ist, aufzuarbeiten, wie Russland so viel Einfluss auf deutsche Behörden gewinnen könnte, schließt der Kritiker.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 24.02.2025

Man wusste ja schon vieles von dem, was Steffen Dobbert und Ulrich Thiele in diesem Buch über die Ranschmeißerei der Deutschen Politik an Russland im Zuge des Nordstream-Projekts darlegen, meint Rezensent Nicolas Freund, aber in der thrillerartigen, detaillierten Darstellung der beiden Journalisten wird das volle Ausmaß der Skandale um das Projekt zumindest annähernd sichtbar. Freund geht entlang der Lektüre auf einige Lowlights der deutschen Außen- und Wirtschaftspolitik ein, Gerhard Schröders Freundschaft zu Putin findet Erwähnung, ebenso wie Sigmar Gabriels Geschwafel von einer Russland und Europa vereinenden Freihandelszone und Manuela Schwesigs Forderung, selbst nach dem Giftgasanschlag auf Sergej Skripal mehr Dialog mit Moskau zu wagen. Unfassbar, dass das alles nach wie vor nicht gründlich aufgearbeitet ist, findet Freund, insbesondere auch, weil die Autoren neue skandalöse Details ans Licht bringen, unter anderem geht es um eine verbrannte Steuererklärung, die den deutschen Staat möglicherweise Milliarden kostete. Spätestens nach diesem Buch ist es höchste Zeit für einen Nordstream-Untersuchungsausschuss, schließt ein ob der von Dobbert und Thiele zusammengetragenen Skandalchronik erboster Rezensent.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 17.02.2025

Was Frank-Walter Steinmeier mit Nord Stream zu tun hat und was das für den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine bedeutet, kann Rezensent Ralph Gerstenberg im "geradlinig geschriebenen" Buch der Journalisten Steffen Dobbert und Ulrich Thiele nachlesen: Die "Currywurst-Connection", so nennen die Autoren die Verbindungen um Altkanzler Gerhard Schröder, hat sich kontinuierlich gegen Russland-Sanktionen und für die Pipeline eingesetzt. Sie zeigen auf, wie Gazprom eng mit der mecklenburgischen Landesregierung zusammengearbeitet hat und gleichzeitig der Donbas annektiert und Oppositionspolitiker ermordet werden - gerade, dass diese erschreckenden Gleichzeitigkeiten herausgearbeitet werden, macht das Buch für Gerstenberg so lesenswert. Auch die aufwändige Recherche findet sein Lob - dass deutsche Unternehmen seit 2014 mit 104 Milliarden Euro allein für Erdgas den Krieg in der Ukraine entscheidend mitfinanzieren,  und warum Steinmeier in Kiew nach dem Kriegsbeginn erstmal nicht willkommen war, erklärt der Autor hier sehr aufschlussreich, wie der Kritiker schließt.

Buch in der Debatte

9punkt 17.02.2025
Für den Bundestagswahlkampf mag das Buch ein bisschen spät kommen. Die Journalisten Steffen Dobbert (Zeit) und Ulrich Theile (Business Insider) machen dort weiter, wo Reinhard Bingener und Markus Wehner mit ihrem Buch "Moskau-Connection" angefangen hatten. Sie recherchieren über Nord Stream - und fördern, so scheint es, weitere bestürzende Details über das Ausmaß der Korrumpierung deutscher Politik durch russische Interessen zutage. Der immer sehr schnelle Ilko-Sascha Kowalczuk bespricht das Buch bereits auf Twitter. Unser Resümee

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