Ilko-Sascha Kowalczuk

Stasi konkret

Überwachung und Repression in der DDR
Cover: Stasi konkret
C.H. Beck Verlag, München 2013
ISBN 9783406638381
Gebunden, 428 Seiten, 17,95 EUR

Klappentext

Eine lückenlose Überwachung von Post und Telefon, ein Spitzel in jeder Kneipe, die Verstrahlung von Oppositionellen - es gibt nur wenig, was man der Stasi nicht zutraut. Doch was konnten Mielkes Männer wirklich? Dass sie alles wussten, mithörten und kontrollierten, vermuteten viele Menschen in der DDR. Die Stasi selbst schürte diesen Mythos, um den Anpassungsdruck zu erhöhen. Nach 1989/90 ist das MfS zudem regelrecht dämonisiert worden. Ließ sich die Verantwortung für die SED-Diktatur auf diese Weise doch bequem auf einer einzigen ihrer Säulen abladen. Ilko-Sascha Kowalczuk erzählt in diesem Buch die Geschichte der Stasi, zeigt, wer ihre Gründer waren und hinterfragt manche der scheinbaren Gewissheiten, die sich mit ihrem Bild verbinden. So liefert er etwa gute Argumente dafür, dass die Zahl der IM nur halb so hoch gelegen haben dürfte, wie gemeinhin angenommen, und dass die Intensität der Postkontrolle und der Einfluss im Westen überschätzt werden.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 13.07.2013

Einen etwas zwiespältigen Eindruck hat Ilko-Sascha Kowalczuks Buch über die Stasi bei Wolfgang Gast hinterlassen. Er kann dem Autor, Projektleiter in der Stasiaktenbehörde, in vielen Punkten folgen, etwa wenn dieser darlegt, wie die Stasi nach der Wende dämonisiert und zum Hauptsündenbock für die Misere in der DDR gemacht wurde, oder wenn er die Stasi als wesentliches Element der SED beschreibt. Die Statistiken, die Kowalczuk vorlegt, um seine Überlegungen bezüglich einer Überschätzung der Stasi in der Forschung zu untermauern, scheinen Gast allerdings ebenso hinterfragbar wie die in der historischen Forschung genannten. Gleichwohl sei es dem Autor damit gelungen, eine neue Debatte in Gang zu setzen. Gast sieht in Kowalczuks Statistiken eher überflüssige "Zahlenspielereien". Davon abgesehen findet er das Buch allerdings "durchaus lesenswert".

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 18.06.2013

Jens Schneider lernt von Ilko-Sascha Kowalczuks Buch "Stasi konkret", dass die Staatssicherheit lange nicht so mächtig war, wie es ihr gerne unterstellt wird. Tatsächlich sei die Stasi ein ziemlich chaotischer Apparat gewesen, der nach dem Volksaufstand vom 17. Juni 1953 dafür sorgen sollte, dass die SED-Spitze sich nicht mehr auf die Sowjets verlassen musste, um die Bevölkerung in Schach zu halten. Aber selbst die zusätzlichen Mittel, die fortan in die Stasi flossen, hätten niemals ausgereicht, um sämtliche Kommunikationswege zu überwachen - und auch die 'Inoffizielle Mitarbeiter' spielten eine kleinere Rolle als gemeinhin angenommen wird, berichtet Schneider. Nicht alle der einhunderttausend IMs haben Mitbürger denunziert, dafür so mancher, der nicht für die Stasi arbeitete, stellt der Rezensent richtig. Kowalczuks Buch ist wichtig, weil es endlich einen ernstzunehmend historischen Umgang mit der DDR-Geschichte einläutet, meint Schneider.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.06.2013

Als hochinformativ mit Schwächen bezeichnet Günther Heydemann das Buch des MfS-Kenners Ilko-Sascha Kowalczuk. Konzise fühlt sich der Rezensent über Mielkes Behörde informiert, überzeugt hat ihn etwa der vom Autor geführte Nachweis über den Einfluss sowjetischer Geheimdienste auf den MfS oder der zu den tatsächlichen IM-Zahlen. Schwierig findet er es hingegen, wenn der Autor aus seinen Einschätzungen zu weit gehende Urteile ableitet und etwa die Reichweite der Stasi allzu sehr anzweifelt. Ferner will dem Rezensenten der Band nicht recht als Einführung taugen, da die Fülle der gebotenen Informationen nicht durch prägnante Zusammenfassungen gebändigt wird, wie er erläutert.
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