"... denn Du bist so alt wie die Psychoanalyse. Beide haben mir Sorgen gemacht, aber im Grunde erwarte ich doch mehr Freude von Dir als von ihr ...". In diesen Worten Sigmund Freuds zum 25. Geburtstag seiner jüngsten Tochter Anna klingt die Verbindung dreier weit gespannter Themenbögen an: Vater - Tochter - Psychoanalyse. Die knapp 300 Briefe zwischen Sigmund und Anna Freud vereinigen Äußerungen über Ereignisse in der engeren und weiteren Familien- und Freundessphäre mit dem Austausch über Fragen der Psychoanalyse und ihre Vertreter. Zugleich vermitteln sie uns eine Vorstellung von der Alltagskultur einer bürgerlichen Familie in den ersten Jahrzehnten des vergangenen Jahrhunderts und geben uns Einblicke in das wechselvolle Heranwachsen Annas aus einer schwierigen Kinder- und Jugendzeit zur kreativen, weltberühmten Analytikerin, Hüterin und Fortsetzerin des väterlichen Werkes.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 10.08.2006
Der "Briefwechsel 1904-1938" zwischen Sigmund Freud und seiner jüngsten Tochter Anna, herausgegeben von Ingeborg Meyer-Palmedo, spiegele die Intimität der Beziehung und ihre Wandlung im Laufe der Jahre wieder, stimmt der Rezensent Ludger Lütkehaus der Meinung der Herausgeberin zu. Er ist begeistert von der fast vollständigen Sammlung der Briefe, die einen Einblick in die Charaktere der Verfasser biete, muss aber einräumen, dass viele der Briefe auch Belangloses zum Thema hätten, etwa die Meldungen aus den Ferien. Außerdem hätten Freud und seine Tochter ohnehin nicht häufig so weit voneinander entfernt gelebt, dass sie mit Briefen miteinander kommunizieren mussten, was einige Lücken enstehen lässt. Quasi als Ausgleich hatte die Herausgeberin einen "riesigen" Kommentar verfasst, der den Rezensenten aufgrund seiner Detailliertheit besonders beeindruckt. Allerdings fragt er sich auch, ob dieser "Exzess an Kommentar" wirklich immer notwendig ist, um einen Einblick in die innige Beziehung zwischen Sigmund und Anna Freud zu erhalten.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 11.07.2006
Gespannt hat Martin Altmeyer vorliegenden Briefwechsel zwischen Sigmund Freud und seiner jüngsten Tochter Anna verfolgt. Nach der Lektüre fühlt er sich hervorragend informiert über Reisen, Ferienerlebnisse, Sanatoriumsaufenthalte, Familienangelegenheiten und den privaten und beruflichen Freundeskreis Freuds. Über die Beziehung Freuds zu seiner Lieblingstochter hat er allerdings kaum Neues in Erfahrung gebracht: die "Innenwelt" dieser Beziehung bleibt weitgehend ausgespart. Man muss nach Ansicht Altmeyers schon zwischen den Zeilen lesen, um das Ungewöhnliche der Beziehung des berühmten Vaters und seiner Tochter zu erfassen, fällt der Briefwechsel doch eher zurückhaltend aus. Altmeyers Fazit: ein diskretes Zeugnis einer "lebenslangen Bindung".
Von einem "eindrucksvollen Leseerlebnis" und einer "subtilen Intensität" dieser über drei Jahrzehnte währenden Korrespondenz berichtet Cordelia Schmidt-Hellerau in einer sehr zitierfreudigen Rezension. Die Briefe bieten einen intimen Einblick in die komplizierte Beziehung, und sie zeigen, wie Freud, der Psychoanalytiker, das Ringen der eigenen Tochter um die väterliche Aufmerksamkeit kaum bemerkt oder bemerken will. Als die kluge Tochter in die Fußstapfen des Vaters tritt, wird die Korrespondenz laut Hellerau kollegialer. Besonders beeindruckt zeigt sich Schmidt-Hellerau von der "intellektuellen Würde und ungebrochenen Vitalität" noch des alten, an Gaumenkrebs erkrankten Freuds, und auch die Rede vom Rabenvater entpuppt sich in den Briefen als kaum belegbares Vorurteil. Insgesamt, so die Rezensentin, ein mit "enormer Sachkenntnis" und "liebevoller Akribie" zusammengetragener Briefwechsel, den auch der psychoanalytisch ungeschulte Leser mit Gewinn lesen dürfte.
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