Der fünfte, abschließende Band des Briefwechsels zwischen Sigmund Freud und Martha Bernays dokumentiert entscheidende Jahre im Leben des weltberühmten Begründers der Psychoanalyse: Der Aufenthalt an der Pariser Salpetrière prägte seinen Weg zum Therapeuten. Freuds Briefe berühren auch die aufreibenden familiären Verstrickungen, die die Verlobten beinahe auseinandergerissen hätten. Die lang ersehnte Hochzeit bildet den Schlusspunkt der intimsten Korrespondenz von Sigmund Freud.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 21.01.2026
Viel über das Lieben und Leiden Sigmund Freuds lernt Rezensentin Birgit Schmid auch aus dem fünften Band der damit komplettierten Edition der Briefe, die der spätere Psychoanalyse-Erfinder und seine Verlobte Martha Bernays vor der gemeinsamen Heirat ausgetauscht hatten. Im letzten Band kann man nachverfolgen, wie Freud sich in Paris beruflich zum Nervenarzt fortentwickelt, sein professioneller Mentor Jean-Martin Charcot nimmt eine wichtige Rolle ein in den Briefen. Ansonsten ist Freud vor allem damit beschäftigt, sich mit hoher Frequenz Bernays' Liebe zu versichern, immer wieder wird er zum eifersüchtigen Patriarchen. Allzu viel Selbstreflexion findet sich hingegen nicht in Freuds Briefen, meint Schmid. Und Bernays? Die erweist sich in ihren Beiträgen zur Korrespondenz als mit ihrem Verlobten ebenbürtig und ist zum Teil auch recht genervt von Freuds Vorwürfen. Insgesamt, so könnte man die Besprechung zusammenfassen, zeichnen die Briefe ein differenziertes Bild der Beziehung der beiden Schreibenden.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.11.2025
Den Abschluss der Edition von Freuds und Martha Bernays' "Brautbriefen" ist eine bedeutende biografische Quelle, trotz "Fehlern und problematischer Kommentierung", schreibt Rezensent Andreas Mayer. Besonders erhellend findet er die bislang ungekürzten Briefe aus Freuds Pariser Zeit bei Charcot, die zwischen Faszination und Ernüchterung schwanken: "Kein Platz, keine Handtücher, keine Gefäße." Freud bewundert die "große Tragödin Sarah Bernhardt" und sehnte sich später in Berlin nach dieser Zeit: "'In meinem Frankreich war's doch schöner', seufze ich als Maria Stuart unter den Neuropathologen." Auch die finanzielle Not, die Einrichtung seiner ersten Praxis und eine handfeste Mitgiftkrise werden in seltener Offenheit sichtbar. Der Kritiker erkennt darin ein sehr wichtiges, wenn nicht das wichtigste, Zeugnis zum Verständnis des jungen Freud.
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