Aus dem Türkischen von Constanze Letsch. Ein halbes Jahrhundert ist über Latife Hanim, Atatürks erste Ehefrau, geschwiegen worden. Die hochgebildete Frauenrechtlerin war zweieinhalb Jahre mit dem Staatsgründer der Türkei verheiratet. Nach der Scheidung im Jahre 1925 zog sie sich komplett aus dem öffentlichen Leben zurück, wie es heißt, um ihren Mann zu schützen. Latife Hanim, die oft ohne Kopftuch und auch mal in Reithosen auftrat, war zu ihrer Zeit ein Vorbild für viele Frauen. Die mutige, wortgewandte, willensstarke Frau hatte großen Einfluss auf Atatürks politische Projekte, setzte sich für das Frauenwahlrecht und ein modernes Scheidungsrecht ein. Doch die Frau, die sich in der politischen Arena der Türkei regelmäßig zu Wort gemeldet hatte, wurde nach der Trennung von Atatürk zur Einsiedlerin; sie wurde verleumdet und erschien später in Geschichtsbüchern höchstens noch als Fußnote. Sie starb 1975.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.01.2009
Ipek Calislars Biografie über Latife Hanim, die Ehefrau Kemal Atatürks, scheint Karen Krüger erhellend. Das Buch, in der Türkei ein Bestseller, wirft für sie ein neues Licht auf Latife. Während diese in der Türkei lange totgeschwiegen oder negativ dargestellt wurde, vermittelt die Autorin in ihren Augen ein positives Bild von Latife, von der sich Atatürk nach nur zweieinhalb Jahren Ehe im August 1925 wieder scheiden ließ. Latife erscheint für Krüger als eine moderne, selbstbewusste, weltgewandte Frau, die in Großbritannien ihre Schulzeit verbracht und an der Sorbonne Jura studiert hat. Sie unterstreicht insbesondere Latifes Rolle als Ideengeberin für das Frauenrecht. Außerdem habe Latife die Position ihre Mannes hinsichtlich der westlichen Welt gestärkt. Über das Scheitern der Ehe kann laut Krüger bis heute nur spekuliert werden. Calislars Vermutung, Atatürk sei seiner unabhängigen und auch ehrgeizigen Frau nicht gewachsen gewesen, hält sie aber für durchaus plausibel.
Julian Barnes: Abschied(e) Aus dem Englischen von Gertraude Krueger. Julian Barnes wird im Januar 2026 achtzig Jahre alt. Er weiß, dass die längste Zeit seines Lebens hinter ihm liegt, und er möchte… Elias Hirschl: Schleifen Franziska Denk wächst im Umfeld des Wiener Kreises auf und leidet als Kind an einer seltsamen Krankheit: Jedes Symptom, von dem sie hört oder liest, bekommt sie sofort. In… Dorothee Elmiger: Die Holländerinnen Mit blinkenden Warnlichtern fährt die Erzählerin, eine namenlose Schriftstellerin, an den Straßenrand, als ein unerwarteter Anruf sie erreicht. Am Apparat ist ein gefeierter… Leila Slimani: Trag das Feuer weiter Aus dem Französischen von Amelie Thoma. Mia, erfolgreiche Schriftstellerin in Paris, kämpft mit "brain fog", einem Gehirnnebel, der ihre Erinnerungen und ihre Arbeit beeinträchtigt.…