Herausgegeben von Hülya Adak, Ayse G. Altinay, Esin Düzel und Nilgün Bayraktar. Aus dem Türkischen von Constanze Lesch. Sexuelle Vorlieben, Beziehungen und Selbstbefriedigung, Coming-out und Menopause - türkische Frauen unterschiedlicher sozialer und ethnischer Herkunft sprechen offen über ihre Freude am Sex, über Orgasmus und Klitoris, über Unabhängigkeit und wechselnde Liebhaber. Die 32 Erfahrungsberichte basieren auf Interviews der vier Autorinnen mit Frauen, die in der Türkei und in Deutschland leben: Managerinnen, Studentinnen, Putzfrauen, Ärztinnen oder Künstlerinnen. Immer wieder geht es um Jungfräulichkeit und körperliche oder psychische Gewalt in der Ehe oder der eigenen Familie. Einige der Frauen schildern ihre Probleme sehr emotional und bewegend - andere trauen sich, ihrer Wut über Sexismus und Diskriminierung hemmungslos Luft zu machen. Doch Männer werden nicht nur als Täter, sondern auch als Partner, Objekte der Begierde, als Freunde und Familienmitglieder beschrieben. Ein Einblick in den Alltag, die Gedanken und Gefühle heutiger Türkinnen.
"Ergreifend" findet Rezensentin Hilal Sezgin dieses Buch mit protokollierten Gesprächen zwischen Freundinnen und Freunden, die von der Rezensentin als "offenherzig, einfühlsam und oft auch sehr reflektiert" beschrieben werden. Gesprochen wird ihren Informationen zufolge über Intimes wie Pubertät und Menopause, Abscheu oder Liebe zum eigenen Körper, Heiraten oder Lesbischsein - und zwar von Frauen in der Türkei oder türkischstämmigen Frauen in Deutschland. Was das Buch für die Rezensentin zum Ereignis macht, ist das Unspektaktuläre seines Auftretens, und dass es Männer und Frauen "über Erzählen und Zuhören hinweg" zueinander führt. Lediglich zwei Schwächen werden auf die Mängelliste gesetzt: dass nicht vermerkt ist, welche Frau in welchem Land lebt - Deutschland oder Türkei. Und dass das Buch als "typisches Produkt der Oral History" wohl für den Geschmack der Rezensentin zu wenig Redaktion und Lektorat erfahren hat.
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