Musik, Tanz, Körperlichkeit, Sexualität - das beschäftigte junge Mädchen auch schon vor 200 Jahren. Besonders Mädchen der Oberschicht prägten dabei Moden und Ideale, die das Mädchenbild bis in die Gegenwart bestimmen. Irene Hardach-Pinke porträtiert das Leben junger Mädchen im 18. und 19. Jahrhundert in der Zeit zwischen Kindheit und Ehe, Anpassung und Eigensinn. Sie beschreibt, wie die Mädchen angesichts strenger gesellschaftlicher Vorgaben wie Keuschheitsgebot und Heiratszwang mit ihren Gefühlen und Freiheitsbestrebungen umgingen. Anhand von zeitgenössischen Dokumenten rekonstruiert die Autorin die Programme für die Jugendzeit von Frauen und ihre Umsetzung im Alltagsleben.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.10.2000
Anschaulichkeit statt begrifflicher Trennschärfe - auf diese Formel bringt Jürgen Schmidt seine milde Kritik an Irene Hardach-Pinkes Buch über die Jugendzeit junger Mädchen im 18. und 19. Jahrhundert. Er lobt die Auswahl ihrer Zitate, die das Lebensgefühl und die Lebenswelt jener Mädchen aus Bürgertum und Adel plastisch vermitteln; Erzählungen über die erste Ballnacht geraten für ihn jedoch fast in die Nähe zum Kitschroman, überhaupt erscheint ihm die Schilderung der - wie der Rezensent findet, seltsam übersetzt - "Statuspassagen" fast wie eine anthropologische Konstante, wonach Mädchenwelten ewig gleich bleiben müssten. Dass es feine Unterschiede in der Erziehung von Bürger- oder adligen Töchtern gab, bei Protestantinnen oder Katholikinnen, lässt sich, so Schmidt, nur erahnen. Die Autorin vermittle aber anschaulich und lebendig, dass die Zeit des Wartens - zwischen Konfirmation und Heirat - keineswegs nur abgesessen worden und vertan gewesen sei.
Mädchen sollten heiraten, aber das war manchmal leichter gesagt als getan. Was die höheren Töchter, ob bürgerlich oder adlig, trieben, bis es soweit war - und in manchen Fällen kam es nie dazu - verrät der von Dorion Weickmann mit Vergnügen gelesene und darum positiv besprochene Band von Irene Hardach-Pinke, die Briefe und Tagebücher der weiblichen Generation zusammengetragen hat. Langeweile hatten sie nicht, meint Weickmann, sie reisten, verfeinerten Bildung und Manieren, hielten Bräutigamsschau - ohne sich jedoch je in Erotisches verwickeln lassen zu dürfen, bedauert der Rezensent. Wer sitzen blieb, wurde Nonne oder - mit viel Glück - Lehrerin oder Gouvernante. Das Buch sei spannend zu lesen und zeichne ein "hübsches Sittenbild" der Epoche, resümiert Weickmann.
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