Iris Hanika

Echos Kammern

Roman
Cover: Echos Kammern
Droschl Verlag, Graz 2020
ISBN 9783990590560
Gebunden, 240 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Zu Beginn von Iris Hanikas neuem Roman gelangen wir mit Sophonisbe, einer nicht mehr ganz jungen Dichterin, die wirklich so heißt, nach New York. So tollkühn der Roman anhebt - schon am zweiten Tag befinden wir uns auf einem Empfang bei Beyoncé -, so unnachahmlich katapultiert er uns dorthin, wo die Aufgabe des modernen Dichters liegt: eine neue, ganz andere Sprache zu finden für die Gegenwart, das Glück, das Wesentliche … für alles. Es geht um das Leben in den Städten (in der Mitte des Buches kehren wir nach Berlin zurück, das gerade in Gefahr steht, ebenso vom Geld plattgewalzt zu werden wie New York), es geht aber auch um einen späten Liebeswahn, der jedoch, anders als in der Jugend, nicht in den Abgrund führt, sondern nur die letzte Hürde vor der Befreiung von den Zumutungen des Triebs ist, worauf man sich den Freuden des Alters hingeben kann.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 01.10.2020

Rezensent Stefan Michalzik hält es für große Kunst, dass Iris Hanikas Roman nicht unter der Fülle seiner Motive zusammenbricht. Wie die Autorin "virtuos", gallig, aber auch humorvoll und mit einer mäßig erfolgreichen Schriftstellerin als Protagonistin von den Verdrängungsmechanismen in New York und Berlin erzählt, von "Jeschichtsvajessenheit", Umsturzfantasien vorm Berghain und Mittelstandsheuschrecken, findet Michalzik lesenswert.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.08.2020

Ein wunderbares Capriccio sieht Rezensentin Rose-Maria Gropp in Iris Hanikas Roman "Eochs Kammern", der sich ebenso als Schnellkurs in Narzissmustheorien lesen lasse wie als vergnügliches Spiel mit psychoanalytischen Diffizilitäten. Hanika lässt zwei Frauen - beides schriftstellernde Singles über fünfzig aus der gediegenen Mommsenstraße - auf Josh treffen, einen Schönling aus Beyoncés New Yorker Entourage. Wie die beiden Frauen, Sophonisbe und Roxana, hier zwischen Wunsch und Wunscherfüllung lavieren oder, später, ihre narzisstische Wunden lecken, das hat für Gropp wunderen, selbstironischen Witz, wenn nicht gar Komik. Als anmutig und kenntnisreich lobt die Rezensentin Hanikas Schreiben, nur Josh möchte sie in Schutz nehmen: Äußerliche Schönheit muss nicht zwangsläufig mit Narzissmus einhergehen, und Misogynie speise sich eher aus dem nicht gratifizierten Narzissmus der Zukurzgekommenen.
Lesen Sie die Rezension bei buecher.de

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 08.08.2020

Rezensentin Insa Wilke fand die Lektüre dieses anspielungsreichen und stark geformten Romans über die Berlinerin Sophonisbe, die ihren Freund Josh für dessen typisches Amerikanertum aus politischem Desinteresse, unbestechlicher Freundlichkeit und Oberflächlichkeit zunehmend verachtet, schlichtweg anstrengend. Ob das gewollt ist oder nicht, spielt dabei für die Kritikerin keine große Rolle: Wer ein kritisches Bewusstsein über Filterblasen schaffen möchte, tut nicht gut daran, sie zu zitieren, moniert sie.
Lesen Sie die Rezension bei buecher.de

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 23.06.2020

Rezensent René Hamann liest Iris Hanika aus Hassliebe. Dass es diesmal allemal gewinnbringend ist, liegt an der Klugheit und der Reibung im neuen, fünften Roman der Wahlkreuzbergerin, glaubt er. Ob Hanika über Millennials ätzt oder im bewährten Kurzprosastil flott das Partygebaren in New York beschreibt, stets fühlt sich Hamann witzig und schlau unterhalten. Zum einen, weil die Autorin es versteht, Begehrensperspektiven umzudrehen, zum anderern, weil sie Echo und Narziss, Spiegelung, Gentrifizierung und Overtourismus unter einen Hut bringt, und das mit einer kunstvollen, verweisreichen Sprache.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 23.06.2020

Rezensent Michael Braun begibt sich gleich in mehrere Echokammern mit Iris Hanikas, wie er findet, exzellentem Liebes- und New-York-Roman. Sofort erkennt er in der Schilderung der New Yorker Straßenzüge die Anleihen an John Dos Passos' Roman "Manhatten Transfer", auch der Bezug zu Ovids Narziss-Mythos scheint in der Geschichte um eine deutsche Schriftstellerin um die 50, bekannt geworden durch einen Gedichtband namens "Mythen in Tüten", die auf einer Party bei Beyonce den bildschönen jungen Josh kennenlernt, offenkundig, resümiert Braun. Aber der Roman zitiert keineswegs nur, sondern befreit sich gekonnt von den Vorbildern, fährt der Rezensent fort: Im ersten Teil durch eine amüsante Verwendung des von dem Deutsch-Amerikaner Kurt M. Stein erfundenen Kauderwelschs "lengevitch", im zweiten, in Berlin spielenden Teil durch eine wunderbar "ironische" Erzählstimme, versichert der Kritiker, der sich einmal mehr an Hanikas "Raffinesse und intellektueller Heiterkeit" erfreut.