Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 23.10.2000
Über "linken Antisemitismus" darf man nicht reden, sonst wird man aus der Gemeinschaft "der Guten" exkommuniziert, - und so ist es auch den Herausgebern dieses Sammelbandes ergangen, schreibt Florian Sendtner. Hinter der Solidarität mit PKK und PLO in der Szene der "Antifas", so der Rezensent, haben sie die "Ressentiments gegen die Juden" ausgemacht. Ihr Band zeigt auch beängstigende Parallelen auf in der bildlichen Darstellung vom "internationalen Kapitalismus" mit dem "Zigarrerauchenden Strippenzieher im Hintergrund", wie man ihn als Vertreter der jüdischen Weltverschwörung aus den 30er Jahren kennt. Nicht gefallen hat Florian Sendtner, dass "intime Bekenntnisse" der Herausgeber in die Analyse einfließen; und am Schluss bekennt er, dass für ihn Henryk Broders Buch "Der ewige Antisemit" das Standardwerk zum Thema bleibt.
Ob man so pauschal wie der Rezensent dieses Buches behaupten kann, dass sich die Linke nie mit dem Antisemitismus in den eigenen Reihen auseinandergesetzt hat, möchten wir bezweifeln. Zutreffend ist dies wohl für eine bestimmte Linke, die der autonomen oder Antifa-Szene angehört(e) und aus deren Reihen nun ein erster Aufarbeitungsversuch vorliegt. Martin Jander würdigt das überwiegend aus Tagebucheintragungen, Collagen und Aufsätzen bestehende Buch als "mutiges" Unterfangen, das allerdings "aus dem Bauch heraus "geschrieben wurde und sich nicht weiter um analytische Schärfe bemüht. Welche antisemitischen Stereotypen im sogenannten antiimperialistischen oder internationalistischen Kampf auftauchten, und dass sie durchaus verschieden aussehen konnten, interessiert die Autoren des Bandes nicht, bemerkt Jander; immerhin konstatieren sie, dass sie diesen anheim gefallen sind.
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