Anfang der 1960er-Jahre kamen auf Initiative des Oltner Industriellen Charles Aeschimann 160 tibetische Flüchtlingskinder in die Schweiz. Die "Tibeterli" sollten hier wohlbehütet in Pflegefamilien aufwachsen, eine gute Bildung erhalten und schließlich als junge Elite zu ihren Familien ins indische Exil zurückkehren oder gar in ein befreites Tibet, an das viele Exilanten damals noch glaubten. Dies war zumindest der Wunsch des 14. Dalai Lama, der gemeinsam mit Aeschimann eine entsprechende Vereinbarung aushandelte.
Die Tatsache, dass viele dieser Kinder durchaus noch leibliche Eltern hatten, rief schon bald Kritiker auf den Plan. Ebenso wurde moniert, Aeschimann fehle die entsprechende Erfahrung. Dennoch ließen ihn die Bundesbehörden gewähren.
Wie war ein solcher Alleingang möglich? Was ist aus den Kindern geworden? Und wie beurteilen sie die umstrittene Aktion heute?
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 22.03.2018
In Urs Hafners zynischer Beschreibung des Schweizer Großindustriellen Charles Aeschimann und der von ihm in den 60ern eingefädelten "Hilfsaktion", schwingt die Empörung des Rezensenten mit. Nicht viel war bisher über die Aktion bekannt, bei der in Kooperation mit dem Dalai Lama und dem bekannten Alpinisten und Nazi-Sympathisanten Heinrich Harrer 160 Tibeter-Kinder in die Schweiz geschickt und dort von Pflegefamilien großgezogen wurden - das alles ohne Einverständnis ihrer tibetischen Eltern, die in Indien als Flüchtlinge lebten und arbeiteten und vorbei auch an den Bundesbehörden und den Hilfsorganisationen, die die Augen vor diesem Akt der Fremdplatzierung schlossen, resümiert Hafner. Dass die Kinder heute fast ausnahmslos sehr problematische Lebensläufe aufweisen, ist führ ihn kein Wunder. Sabine Bitter und Nathalie Nad-Abonji haben nun mit ihrem laut Hafner hervorragend recherchierten, "nüchtern und sorgfältig formulierten" Buch einen entscheidenden Beitrag geliefert zur Geschichte Tibets und der Schweiz im Kalten Krieg, so der aufgebrachte Rezensent.
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