Ein Mann liegt in einem Garten, einem kleinen Garten. Derart klein, dass der Ausgestreckte nicht nur mit dem Kopf an den Zaun stößt, sondern zugleich mit den Füßen. Noch allerdings nur ... denn während der Mann den riesigen Himmel über sich und dem kleinen Garten betrachtet, beginnen seine Beine plötzlich zu wachsen - hinüber auf das Grundstück des wenig beglückten Nachbarn, dann in Aufsehen erregender Disziplinlosigkeit durch die nahe Schule, spielentscheidend über einen Fußballplatz und bald schon durch die ganze Stadt hinaus aufs Land ...
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.08.2006
Ganz entzückt ist Gundel Mattenklott von diesem Bilderbuch-Leporello für Kinder, das Thomas Rosenlöcher (Text) und Jacky Gleich (Zeichnungen) vorgelegt haben. Sie bescheinigt dem Büchlein, ganz dem kindlichen Bedürfnis entgegen zu kommen, Fantasien auf die Spitze zu treiben - hier mittels der lustig umgesetzten Idee, die eigenen Beine würden auf einmal immer weiter und weiter wachsen. Rosenlöchers Anspielungen auf die DDR, die Wende und den Kapitalismus scheinen Mattenklott eher für Erwachsene gedacht, die Kinder müssen sie aber gar nicht verstehen. Schließlich werden sie nach Einschätzung Mattenklotts auch so jede Menge Spaß an der grotesken Geschichte mit ihren zahlreichen komischen Situationen und Slapstick-Einlagen haben.
Was passiert, wenn die Beine wachsen und wachsen, erkundete Thomas Rosenlöcher in seinem Text bereits im Jahre 2002, erklärt Hans ten Doornkaat. Und da das Wachsen der Beine an sich recht schnell langweilig würde, sind es vor allem die Reaktionen, die zu "witzigen Dialogen führen" und die Geschichte so reizvoll machen. Eine Inszenierung im Bilderbuch drängt sich hier geradezu auf, glaubt der Rezensent. Und doch ist es ein Glücksfall, dass mit Jacky Gleich eine hervorragende und kongeniale Zeichnerin gefunden wurde, die nicht einfach nur meterlange Beine über die ganze Länge des entfaltbaren Leporello-Buches streckt. Denn eigentlich, so Doornkaat, erzählt Gleich die Geschichte ein zweites Mal, "wunderbar spielend" mit Stereotypen von Ländern und Leuten, vor allem aber mit "Bildideen, die zeigen, was überlegte Illustration kann: Szenen ausbauen, weiter spinnen, neue Bilder finden."
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