Aus dem Altfranzösischen übersetzt von Siegbert Himmelsbach. Beim ersten Blättern mutet es wie ein Stundenbuch an, doch in Wahrheit ist das "Buch vom erfüllten Leben" das charmante Bilderbuch einer weltlichen Dichtung. Es ist ein Leitfaden des Eheglücks für frisch vermählte Adlige, der die uralten Fragen eines glücklichen Miteinander in zugängliche Bilder verpackt. Wie in einem ritterlichen Abenteuerroman begibt sich der Erzähler auf eine unsichere Reise, auf der er sich immer wieder mit den Tugenden und Lastern der Welt auseinandersetzen muss. Verfasst hat die Verserzählung um 1342 Jacques Bruyant, ein Geistlicher aus Paris. Zahlreiche Abschriften zeugen von der Beliebtheit des Werkes. Jedoch nur eine einzige von ihnen ist um 1430 mit zahlreichen und farbenfrohen Miniaturen ausgestattet worden. Es ist die Bilderhandschrift, die unter der Signatur Widener 1 in der Free Library in Philadelphia aufbewahrt wird. Die Faksimile-Edition des "Buchs vom erfüllten Leben" ist weltweit auf nur 980 handnumerierte Exemplare streng limitiert. Der reiche Bildschmuck wird in allen Details wie im Original wiedergegeben. Die leuchtenden Farben in den 46 Miniaturen, den 74 Goldinitialen und im reichen Bordürenschmuck werden ebenso in allen Feinheiten eingefangen wie die unterschiedliche Wirkung des strahlenden Blattgolds, des schimmernden Muschelgolds und der Silberpartien. Alle 73 Folios des Codex werden getreu dem Original sorgfältig randbeschnitten und im Format 207 x 144 mm wiedergegeben. Der ausführliche Kommentar (411 Seiten) von Prof. Dr. Eberhard König (Freie Universität Berlin) und William Lang (Leiter Rare Book Department der Free Library, Philadelphia) führt anschaulich in die Geheimnisse des Buchs vom erfüllten Leben ein. Die vollständige Übersetzung des französischen Textes erlaubt dem heutigen Betrachter, unverfälscht in die Alltagswelt des Mittelalters einzutauchen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.06.2006
Das vorliegende kostbare Faksimile eines spätmittelalterlichen Selbsterziehungsromans schätzt der bekannte Mediävist Kurt Flasch mehr für die Miniaturen als für den Text. Dieser erzählt den Weg eines bürgerlichen Ehemanns zu Eheglück und beruflichem Erfolg. Flasch liest den Text als eine Art spätmittelalterliche Ethik des Häuslebauens, die er als recht dröge anzusehen scheint. Aber die Miniaturen! Flasch stellt sie dem legendären Stundenbuch des Herzogs von Berry an die Seite. Das Faksimile, so berichtet Flasch, lässt die Miniaturen fast in Originalqualität erstehen. Ausdrücklich lobt Flasch auch den zugehörigen Kommentar von Gabriele Bartz und Eberhard König, die er zu führenden Spezialisten für mittelalterliche Buchkunst zählt. Ihre kenntnisreichen Erläuterungen von Bilddetails haben dem Rezensenten mehr als einmal die Augen geöffnet.
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