Matthes und Seitz, Berlin 2026
ISBN
9783751830669 Broschiert, 140 Seiten, 15,00
EUR
Klappentext
Der römische Dichterphilosoph Lukrez feiert in seinem Epos De rerum natura ("Über die Natur der Dinge") die Wolken. Als bedrohliche Naturgewalt wird in ihnen die Kraft und Chaotik der unsichtbaren Atome, aus denen die Welt besteht, hör- und sichtbar. Die lukrezische Zergliederung der Wolken - insbesondere die Beschreibung der Gewitter - will diese Gewalt rational und rhetorisch bändigen. Doch zugleich sind Wolken für den Dichter ein metaphorisches Modell zur Erklärung irrationaler Trugbilder, erotischer wie theologischer Phantasmen, die spontan in der Atmosphäre entstehen und uns - wortwörtlich - aus heiterem Himmel überfallen. Jakob Moser geht diesem irritierenden Zusammenhang von antiker Meteorologie und Phantasmalogie nach, der unsere modernen Dichotomien von Natur und Kultur, Physik und Psychologie, Wissenschaft und Dichtung infrage stellt. Lukrez' Wolken erscheinen nicht nur als Gegenstand, sondern auch als Quelle einer schöpferischen wie verstörenden Einbildungskraft der Natur.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.03.2026
Rezensentin Hannah Schmidt-Ott schwebt gern gemeinsam mit Jakob Moser, Lukrez und Epikur auf Wolken. Am Anfang steht der griechische Philosoph Epikur, der sich mit Wolken und anderen Naturphänomenen beschäftigte, Lukrez übersetzte dann Epikurs griechische Texte ins Lateinische und außerdem in die Reimform, der Philosoph Jakob Moser nun hat ein Buch speziell über die Wolkenmotive in Lukrez' dabei entstandenem Lehrgedicht verfasst. Warum Wolken? Moser interessiert sich dafür, wie bei Lukrez Wolken mithilfe diverser Metaphern beschrieben werden, die allesamt an die Wahrnehmung rückgekoppelt bleiben. Auf diese Weise entkommt die Wolkenbetrachtung der mythologischen Dimension. Auch interessiert sich Moser dafür, wie Lukrez anhand von Wolken eine Theorie der Trugbilder (simulacra) entwickelt. Was wiederum zur Literatur führt, die bei Lukrez per se als Naturerfahrung beschrieben wird. Moser schreibt elegant, wenn auch manchmal ein bisschen sentenzenhaft, findet Schmidt-Ott, die außerdem kritisiert, dass die Passagen, die in Richtung Gegenwart verweisen, zu sehr im Allgemeinen verbleiben. Als philosophische Himmelsbetrachtung liest sie das Buch jedoch sehr gern.
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