Iain Sinclair

Der Rand des Orizonts

Auf den Spuren von John Clare's Reise aus Essex
Cover: Der Rand des Orizonts
Matthes und Seitz, Berlin 2017
ISBN 9783957573261
Gebunden, 272 Seiten, 26,00 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Esther Kinsky. Fast alle seiner zahlreichen Bücher hat Iain Sinclair erwandert und dem Boden abgerungen. Dabei hat er zahlreiche Beobachtungen insbesondere von Stadtlandschaften gemacht und deren Veränderung dokumentiert. Zentrum seiner in England längst Klassiker gewordenen psychogeografischen Bücher ist London. Ein Buch aber bildet die Ausnahme: In "Der Rand des Orizonts" verlässt er die Stadt und macht sich gemeinsam mit seiner Frau auf, eine tief bewegende Wanderung zu unternehmen. Er durchmisst Flucht und Leid des Dichters John Clare, der sich mehr als 150 Jahre vor den beiden auf derselben Strecke von seiner Schwermut und der Sehnsucht nach seiner drei Jahre zuvor verstorbenen Ehefrau zu heilen versuchte, aus der Nervenheilanstalt ausbrach und in einem Gewaltmarsch in sein Heimatdorf zurückwanderte. Die physische Anstrengung Sinclairs, das Erleben der über die Zeiten veränderten Landschaft, die Lektüre Clares in Gedanken machen diese autobiografisch-biografische Recherche zu einem Erlebnis.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 15.09.2017

Jürgen Brocan findet in Iain Sinclairs Nachwanderung auf den Spuren John Clares in vier Kapiteln einen sehr persönlichen Zugang zu dem Dichter. Die Form aus essayistischer Reflexion, biografischem Abriss und Dokumentation der veränderten geografischen Gegebenheiten scheint Brocan zusammen Sinclairs expressiver, hochpoetischer und doch klarer Sprache Sinn zu machen und Clares Wanderungsbericht aufs Schönste zu ergänzen. Die vielen Druckfehler im Buch trüben den Lesegenuss allerdings, warnt der Rezensent.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.06.2017

Rezensent Tobias Döring liest Iain Sinclairs Nachvollzug der Wanderung, die der romantische Dichter John Clare 1841 unternahm, als Einladung zur Abschweifung. Eindrücke, Beobachtungen, Lektüren und Assoziationen machen den Text laut Döring aus. Eine recht wirre Mischung aus Reisebericht und Literatur- und Landeskunde, die dem Rezensenten meistens zusagt, auch wenn sich allfällige Zivilisationskritik einschleicht. In den stärksten Momenten des Textes fühlt sich Döring an W.G. Sebald erinnert.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 08.06.2017

Tobias Lehmkuhl spürt die Lust am Aufbruch in Iain Sinclairs "Nachreise" auf den Spuren des englischen Romantikers John Clare, die zeitgleich mit Clares Erinnerungen und ebenso in der Übersetzung von Esther Kinsky erscheint, wie der Rezensent feststellt. Das sprunghaft Unberechenbare scheint ihm eine Eigenschaft des Textes zu sein, was ganz gut zu dem vom Autor nachempfundenen Fußmarsch Clares passt, wie der Rezensent nahelegt. Der Texte aus Reiseeindrücken und eingestreuten biografischen Stücken ergibt laut Lehmkuhl eine reizvolle und mitunter außerdem witzige Mischung, auch wenn die Landschaft, durch die Sinclair den Leser führt, nicht mehr die Anmut derjenigen zu Zeiten Clares hat, wie Lehmkuhl weiß.
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