mit einem Nachwort von Matthias Peter. In seinem autobiografischen Roman schildert Jakob Senn das Heranwachsen des Hans Grünauer, Bauernsohn und früh an den Webstuhl gesetzt fürs Auskommen der Familie. Seine Leidenschaft aber gilt den Textgeweben: Süchtig liest er jedes gedruckte Wort, das er auftreiben kann, und bald beginnt er selber zu schreiben, mangels Papier auf jede erdenkliche Unterlage von der Hemdmanschette bis zum Webstuhlrahmen. Der Roman endet mit dem Entschluss zum Leben als freier Schriftsteller. Das Buch erschien erstmals 1888, postum herausgegeben von Otto Sutermeister, der es allerdings umtaufte in "Ein Kind des Volkes Schweizerisches Lebensbild". Entgangen ist ihm die Gestaltung des Lebensberichtes als Bildungsroman nach dem Vorbild des "Grünen Heinrich" von Gottfried Keller auf den der Originaltitel anspielt und der freie Umgang mit den Fakten zu Gunsten der motivischen Geschlossenheit.
Rezensionsnotiz zu
Die Zeit, 07.12.2006
"Erfunden oder verklärt" wird in Jakob Senns Buch gar nichts, schreibt Rezensent Benedikt Erenz. Der Schweizer Autor, der im 19. Jahrhundert lebte, habe zwar einen Roman hinterlassen, aber eigentlich seine eigene Jugendgeschichte aufgeschrieben. Und zwar auf eine Art und Weise, die an Schriftsteller wie Ulrich Bräker, Gottfried Keller oder einen anderen "Selberlebensbeschreiber" erinnere. Senn schildert seine Kindheit in der Weberei der Eltern, das ärmliche Leben und die Wut darauf, aber auch "burleske Liebesabenteuer". Seine Sprache lobt der Kritiker als "eigensinnig, farbig, direkt und doch von zarter Umständlichkeit", angetan ist er von den "altfränkisch-kauzigen Wortschönheiten". Lob gibt es auch für den Herausgeber des Bandes, Matthias Peter, der ein "lehrreiches" Nachwort angehängt habe. Insgesamt also ein "ungewöhnliches, kostbares Buch".
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