Jamaica Kincaid

Damals, jetzt und überhaupt

Roman
Cover: Damals, jetzt und überhaupt
Unionsverlag, Zürich 2013
ISBN 9783293004627
, 240 Seiten, 19,95 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Brigitte Heinrich. Die Sweets Mutter, Vater, zwei Kinder leben in einem Städtchen in Neuengland, wo auf den ersten Blick alles beschaulich erscheint. Mrs Sweet kam einst von einer Karibikinsel "auf einem Bananendampfer ins Land". Mr Sweet, ein wenig erfolgreicher Komponist, wuchs in New York in einem großbürgerlichen Haushalt auf. Diese Unterschiede entwickeln Sprengkraft, und die Zeit macht die Gefühle brüchig. Im Strom der Erinnerungen schießt Unausgesprochenes empor. Mr. Sweet hasst das Landleben und in seinen Fantasien sieht er den abgetrennten Kopf seiner Frau auf der Arbeitsplatte liegen. Mrs. Sweet ahnt schon, dass er sie verlassen wird. In die Liebe zu ihren Kindern mischt sich der Vorwurf, dass sie ihr das Leben geraubt haben.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 20.05.2014

Knut Henkel freut sich, dass mit "Damals, jetzt und überhaupt" nach elf Jahren ein neuer Roman von Jamaica Kincaid erschienen ist. Gebannt folgt der Rezensent der Autorin, die in diesem Buch mit ihrem Ex-Ehemann, dem Komponisten Allan Shawn, abrechnet. Henkel liest, wie Kincaids Protagonistin Mrs. Sweet eines Tages von ihrem Gatten für eine jüngere Frau sitzen gelassen wird und in der Folgezeit die unterschwelligen Ablehnungen und Verachtungen, die ihr durch ihren Mann widerfahren sind, registriert: Der Neid auf ihren literarischen Erfolg etwa, aber auch untergründiger Rassismus, der sich in der Ehe zwischen der afrokaribischen Autorin und dem Amerikaner immer wieder Bahn bricht. Insbesondere lobt der Rezensent Kincaids Vermögen, in drei Perspektiven ein ebenso psychologisch tiefgründiges wie "erbarmungsloses" Porträt einer binationalen Beziehung zu zeichnen. Dafür sieht er gern über die ein oder andere überflüssige Wiederholung hinweg.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 28.01.2014

Catarina von Wedemeyer attestiert dieser Autorin nicht in erster Linie Wut, wie so viele andere, sondern Mut. Mut, Gefühle auszusprechen aus dem Dunstkreis der Familie, aus der kolonialistischen Vorzeit, über Exmänner und das Alter. Auf die Rezensentin wirkt das beim Lesen intensiv und berauschend. Dass Jamaica Kincaid es dennoch nicht an Komik fehlen lässt und das Grausame mit dem Witzigen zu verbinden weiß, gefällt Wedemeyer. Doch Achtung! Allzu einfachen Zuordnungen widersetzt sich diese Literatur, warnt die Rezensentin. Mit fließenden Perspektivwechseln oder metapoetischen Hinweisen auf die Vita der Autorin.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.11.2013

"Faszinierend. Fulminant. Schmuckstück." Rezensent Thomas Leuchtenmüller spart nach der Lektüre von Jamaica Kincaids fünftem Roman "Damals, jetzt und überhaupt" nicht mit Superlativen, um seiner Begeisterung Ausdruck zu verleihen. Ohnehin ist er von der auf Antigua geborenen Autorin gewohnt, ihre Wahrnehmungen der Verhältnisse zwischen Staaten, Rassen, Klassen, Generationen und Geschlechtern nachvollziehbar und einfühlsam zu schildern. In ihrem neuen Roman gelinge es Kincaid aber nicht nur, das Porträt einer nach vielen Jahren scheiternden Ehe zu zeichnen und die gemeinsame Vergangenheit des Paares als Illusion zu entlarven, sondern auch in unendlichen Buchstabenströmen eine "Ode an die Leere" zu verfassen, die das Gefühl der verwirrt und isoliert zurückbleibenden Ehefrau, die sich auf die Suche nach ihrer Identität begibt, nahezu körperlich erfahrbar machen, lobt der Kritiker. Darüber hinaus bewundert er die Leistung der Übersetzerin Brigitte Heinrich, die diesen reizvollen, Versenkung erfordernden, polyphonen Roman über Identität und fremde Herkunft "elegant" und "effektvoll" ins Deutsche übertragen habe.
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