James R. Gaines

Das musikalische Opfer

Johann Sebastian Bach trifft Friedrich den Großen am Abend der Aufklärung
Cover: Das musikalische Opfer
Die Andere Bibliothek/Eichborn, Frankfurt am Main 2008
ISBN 9783821862088
Gebunden, 379 Seiten, 34,00 EUR

Klappentext

Eine Welt bricht aus den Fugen Als Johann Sebastian Bach im Jahr 1747 einer Einladung des jungen Königs von Preußen folgte, der noch nicht als "Friedrich der Große" in den Geschichtsbüchern zur Marmorbüste erstarrt war, begegneten sich in Potsdam zwei unvereinbare Charaktere - der eine ein tiefgläubiger Protestant mit schier göttlichen Gaben, der andere ein zynisch machiavellistischer Herrscher und aufgeklärter Monarch. Einzig Friedrichs Liebe zur Musik öffnete ein Fenster in eine andere, bessere Seite seines Wesens. Bach verblüfft den kompositorisch dilettierenden Gastgeber mit fugalen Improvisationen über ein königliches Thema - bis der König ihn bittet, eine sechsstimmige Fuge zu extemporieren.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 14.10.2008

Wohlwollend fällt die Lektüre Hans-Jürgen Linkes über das "´klassische Sachbuch" von James Gaines aus, über den wir sonst leider nichts erfahren. Der Autor behandelt am Beispiel zweier herausragender Persönlichkeiten des 18. Jahrhunderts einen stellvertretenden Generationenkonflikt, der sich zwischen dem jungen und modernen Preußenkönig Friedrich und dem älteren, barock-lutherischen Komponisten J.S. Bach zuträgt. Bach soll seinem König ein "Musikalisches Opfer" in Form einer sechsstimmigen Fuge bringen, was diesem auch gelingt. Fraglich bleibt unter vielem anderen, ob Friedrich die Komposition verstanden hat. Hier vermisst der Rezensent "Tiefschürfqualitäten" und sieht den Konflikt als Ablösung eines vergangenen Weltbildes zugunsten eines neuen nur angerissen. Weder hat er ein historisches Fachbuch noch eine musikologische Abhandlung geschrieben: "Gaines hat zuviel gewollt und gerade darum nichts Richtiges zuwege gebracht". Nichtsdestotrotz hat die lesenwerte, unterhaltsame und intelligente Lektüre dem Rezensenten anregende Stunden bereitet.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 09.10.2008

Auf den ersten Blick höchst reizvoll, dann aber doch misslungen findet Rezensent Robert Leicht die hier ausfantasierte Begegnung zwischen Friedrich dem Großen und Johann Sebastian Bach im Mai 1747, der, wie er schreibt, Bachs titelgebendes"kontrapunktisches Gipfelwerk" entwachsen ist. Denn so interessant diese kontrapunktischen Figuren auch sei - hier das größte politische Genie der Epoche, der zynische Aufklärer Friedrich II. von Preußen, da das größte musikalische Genie seiner Zeit, der zutiefst fromme Musiker Bach -, aus Sicht des Rezensenten kommt nicht wirklich etwas bei der literarischen Ausmalung dieser Begegnung heraus. Denn weder bietet die Verschränkung zweier epochaler Biografien aus seiner Sicht wesentliche Erkenntnisse über die Protagonisten, noch hält das Buch sonst erkenntnistechnische Überschüsse für den Rezensenten parat, der am Ende über "haltlose und schweifende Spekulationen" und "grundloses Geschreibsel" schimpft.

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