Die Armee Friedrichs des Großen wurde in der Literatur meist entweder im Geist der Schlacht von Leuthen heroisch verklärt, oder nach dem im Heer herrschenden, harten Strafsystem insgesamt negativ verzeichnet. Im vorliegenden Buch wird erstmals die Brücke zwischen beiden Bewertungen geschlagen, indem nicht nur festgestellt wird, was einen Soldaten zur Desertion bewegen konnte, sondern auch was so viele seiner Kameraden dazu anhielt weiter ihren Dienst zu tun. Die Maßnahmen gegen die Flucht aus dem militärischen Alltag, sowie individuelle Fälle der Desertion, erfahrene eine genaue Beschreibung.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 29.08.2003
Der Rezensent Thomas Thiemeyer entdeckt durchaus einige Neuigkeiten in diesem Buch über Desertionen aus der preußischen Armee: am herausragendsten ist seiner Meinung nach die Erkenntnis, dass Desertionen in der preußischen Armee nicht so ein großes Problem waren, wie bis heute von Historikern angenommen wurde. Sie bewegte sich in einem normalen Maß, bekam jedoch durch einige Faktoren, zum Beispiel den Umstand, dass die neuen Uniformen die Zugehörigkeit zu einem Lager für alle Welt sichtbar machten, plötzlich eine erhöhte Aufmerksamkeit. Eine echte Bereicherung ist die Studie von Jörg Muth nach Meinung des Rezensenten deshalb, weil sie regionalgeschichtlich auf die einzelnen Garnisonen eingeht. So entsteht ein wesentlich differenzierteres Bild der preußischen Armee: "Erst durch diesen Perspektivwechsel wird verständlich , wie eng die Beweggründe für die Fahnenflucht mit Status und Umgangsformen in den einzelnen Regimentern zusammenhingen"
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