Aus dem Amerikanischen von Ursel Schäfer und Reinhard Tiffert. Nach den letzten Passionsspielen in Oberammergau 1990 ist eine lebhafte Diskussion über antisemitische Elemente der Theateraufführung in Gang gekommen, die anläßlich der Aufführung im heiligen Jahr 2000 ihren Höhepunkt erreichen wird. Die Theatergemeinde von Oberammergau hat sich über Jahrhunderte mit großer Widerstandskraft fast sämtlichen Liberalisierungen entzogen und führt die Passion in einer fast unveränderten Ausstattung und alten Übersetzungen biblischer Texte auf. Das alte Gelübde, alle zehn Jahre die Passion aufzuführen, hat zahllose Kriege, Belagerungen und Boykottversuche überdauert. Shapiro stellt in dieser Arbeit das breite historische, politische, soziale und kulturelle Spektrum dar, das die Festspiele von Oberammergau weit über ein lokales Ereignis mit enormer religiöser Bedeutung hinausheben: Die Passionsfestspiele in Oberammergau stehen wie wenige andere religiöse Großereignisse für den Versuch, sich in der Moderne religiöser Bindungen und Wertvorstellungen zu versichern.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 15.07.2000
Der Rezensent mit dem Kürzel "add" zeigt sich angetan von der Arbeit des amerikanisch-jüdischen Theaterhistorikers James Shapiro, der durch Quellenrecherche vor Ort und durch Interviews mit den Beteiligten die Auseinandersetzung um die Passionsspiele in Oberammergau rekonstruiert hat. Diese Passionsspiele waren durch ihre "antijudaistische Tendenzen" immer wieder in die Kritik geraten und haben so einen Konflikt zwischen lokaler Reformer und Traditionalisten und auch Proteste jüdischer Gruppen ausgelöst. Der Studie schaffe es, über die "aufregende Geschichte der Auseinandersetzungen" hinaus, die Frage anzureißen "wie viel Antijudaismus zum Wesen des Christentums gehört"
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