In seiner Analyse streicht Jan Assmann heraus, wie Georg Friedrich Händel in seinem Oratorium "Israel in Egpyt" neue Wege ging: Es ist das einzige Oratorium in Händels Werk, das keine Person, sondern ein Volk zum Protagonisten hat. Assmann deckt die Parallelen von Händels Auswahl biblischer Texte zur jüdischen Pessach-Erzählung auf, in der ebenfalls nicht Mose, sondern das Volk Israel im Mittelpunkt steht. Dementsprechend hat Händel ein Oratorium konzipiert, das weitestgehend aus Chören und Doppel-Chören besteht. Nach Assmann traf Händels Werk zu Lebzeiten auf den Unwillen des Publikums, sich auf eine solche innovative Konzeption einzulassen. Die Analyse des Autors ist ein Plädoyer, es für das 21. Jahrhundert neu zu entdecken.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.01.2016
Mit einer gelehrten Besprechung würdigt Paul Ingendaay Jan Assmanns Werk über Händels Oratorium "Israel in Egypt". Als wohltuendes "Gegengift" zum dekontextualisierten und enthistorisierten Musikgenuss erscheint dem Kritiker dieses Buch des Archäologen und Ägyptologen, der ebenso leidenschaftlich wie lehrreich in Händels Biografie einführt, den Kompositionsprozess und die Rezeptionsgeschichte beleuchtet, das gesamte Oratorium Stück für Stück präzise kommentiert und neben Notenbeispielen auch ein englisch-deutsches Libretto beifügt. Insbesondere aber lobt der Rezensent Assmanns Erläuterung des biblischen Fundaments, der er etwa entnimmt, das der Begriff des "Sublimen" bei Händel nicht nur ins achtzehnte Jahrhundert zurückführe, sondern vielmehr an das Vorbild des Buch Genesis gebunden sei. Dieses meisterhafte Werk, das mit Blick auf die nationale Grundstimmung, in der Händels Oratorium entstanden ist, auch über die Identifikation Englands mit dem Schicksal des Volkes Israels aufklärt, kann der Kritiker nur nachdrücklich empfehlen.
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