Die Kultur entspringt dem Wissen um den Tod und die Sterblichkeit. Sie stellt den Versuch dar, einen Raum und eine Zeit zu schaffen, in denen der Mensch über seinen begrenzten Lebenshorizont hinausdenken und die Linien seines Handelns, Erfahrens und Planens ausziehen kann. Ohne Phantasmen der Unsterblichkeit oder zumindest einer gewissen Fortdauer über unser allzu kurzes Erdendasein hinaus kann der Mensch nicht leben, sein Handeln nicht als sinnvoll erfahren. Doch so einförmig sich der Tod aus biologischer Perspektive ausnehmen mag, seine kulturelle Überformung und Bewältigung nimmt tausendfältige Gestalten an. Vielleicht wird es einmal eine kulturwissenschaftliche Thanatologie geben, die diese Gestalten vergleichend untersucht. Jan Assmann liefert hierfür am Beispiel des Alten Ägypten Vorarbeiten.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 29.06.2000
Ulrike Brunotte hält sich in ihrer Rezension mit einem Urteil über dieses Buch zurück und referiert in erster Linie den Inhalt und die wichtigsten Thesen des Autors, mit denen sie offensichtlich weitgehend einverstanden ist. Wirklich neu scheint es allerdings nicht, wenn Assmann die Mumifizierung und den Totenkult im alten Ägypten als `Sehnsucht nach Unsterblichkeit` interpretiert. Von größerer Bedeutung dürfte daher die These der Autoren sein, dass jede Kultur letztlich ein Versuch sei, "das Problem und die `Katastrophe` des Todes (zu) lösen". Brunotte weist darauf hin, dass diese Studie als `erste Schritte` zu einer "kulturwissenschaftlichen `Thanatologie`" zu verstehen sind und findet es konsequent, unter diesem Gesichtspunkt zunächst die Kultur im alten Ägypten zu beleuchten. Zwei bedeutende Bilder hebt Brunotte mit den Autoren dabei hervor: Da ist zum Einen der Mythos von Osiris, der von Seth ermordet, zerstückelt und von Isis anschließend wieder zusammengefügt wurde. Zum anderen werde der `Tod als Rückkehr in den Mutterschoß` (was eine Wiedergeburt möglich macht) interpretiert, wie Assmann durch Sargbemalungen nachweise.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 17.06.2000
Diese Studie des Ägyptologen Jan Assmanns ist nach einem Forum in Potsdam mit dem Thema „kulturwissenschaftliche Komparatistik des Todes“ erschienen, erklärt der Rezensent mit dem Kürzel "lx.". Obwohl die „Todesbesessenheit“ im alten Ägypten exzessive Formen angenommen habe, stehe für Assmann außer Frage, dass der Tod für alle Kulturen die „Kernfrage kultureller Deutung“ sei. "Lx." weist auch darauf hin, dass im gleichen Band ein Essay des Kulturwissenschaftlers Thomas Macho zu lesen ist, der die „Grenzlinien“ einer „wissenschaftlichen Thanatologie“ umreißt.
Robert Seethaler: Die Straße Die Straße ist nicht im Zentrum der Stadt und nicht an ihrem Rand. Versteckt liegt sie irgendwo dazwischen. Kein Besucher würde sich dorthin verirren, und doch passiert in… Nelio Biedermann: Lázár Alles beginnt, sogar das Ende, als Lajos von Lázár, das blonde Kind mit den wasserblauen Augen, zur Welt kommt. Seinem Vater, dem Baron, wird der Sohn nie geheuer sein, als… Lukas Rietzschel: Sanditz Ein imposantes Bild der deutschen Gesellschaft - von der DDR bis in die GegenwartSanditz, eine Kleinstadt am Rande der Republik. Hier leben alte Offiziere, Bürgerrechtler,… Elizabeth Strout: Erzähl mir alles Aus dem Englischen von Sabine Roth. Elizabeth Strout kehrt zurück in die Küstenstadt Crosby in Maine - zu ihren Heldinnen Lucy Barton und Olive Kitteridge. Es ist Herbst…