Die Reportage über den Weg eines Mädchen zur Dschihad Braut - erzählt von der Autorin und Journalistin Güner Balci. Nimet aus Berlin ist 16, als sie über WhatsApp eines Tages eine Nachricht von Saed erhält, einem jungen Mann aus der Türkei. Übers Internet sind die beiden bald in ständigem Austausch, Saed ist immer für sie da, und irgendwann nennt er sie seine "Frau". Er ist so anders als die Männer, die Nimet bisher kennt. Sie lässt sich ganz auf ihn und seine Welt ein, ihre Freundschaften zerbrechen. Sie weiß nicht, dass Saed für den IS kämpft. Eines Tages kommt von ihm keine Nachricht mehr. Ein Fremder meldet sich, Nimet müsse kommen. Sie macht sich auf zur türkisch-syrischen Grenze. Güner Yasemin Balci erzählt in ihrer Reportage, wie Nimet als Dschihad-Braut angeworben wird und erst im "Kalifat" merkt, dass sie benutzt wurde. Die Geschichte zeigt, warum und wie so viele junge Frauen in den letzten Jahren zum IS gekommen sind.
Die Cousine einer Freundin ist es, die Nimet das erste mal mit in die Moschee nimmt, ganz unverfänglich und harmlos wirkt diese Geschichte da noch, verrät Nina Apin. Aber zusammen mit einem fremden Mann, der sich scheinbar zufällig per What's App an Nimet wendet, ist es die gleiche Cousine, die Nimet immer weiter radikalisiert, bis diese schließlich nach Syrien reist, bereit sich dem Kampf gegen die allgegenwärtigen Kreuzritter und Zionisten zu verschreiben, fasst die Rezensentin zusammen. Güner Yasemins Balcıs "Das Mädchen und der Gotteskrieger" ist ein toller Roman, der ein wenig Licht in die Prozesse der Radikalisierung bringt, findet Apin - eine Reportage oder ein Sachbuch, als welche der Verlag Balcıs Buch führt, ist es allerdings nicht. Bei einer derart "authentischen" Sprache hat dieser Roman auch gar kein "Echtheitszertifikat" nötig, so die Rezensentin.
Eine ausdrückliche Leseempfehlung - auch für den Deutschunterricht - gibt Rezensent Marc Reichwein für diesen Jugendroman, der von der Verführung einer 16-jährigen, weltlich sozialisierten Muslimin durch einen islamischen Fanatiker erzählt. Die Autorin und ehemalige Sozialarbeiterin Güner Balci greift dabei auf reale Ereignisse zurück, erklärt Reichwein. Schon, dass Balci von einem Mädchen erzählt und nicht von einem jungen Mann, der sich zum "Gotteskrieger" entwickelt, gefällt ihm. Aber auch die Verführbarkeit einer 16-Jährigen, die in der unsicheren Phase der Pubertät den streng gläubigen Mann erst einmal als besonders verlässlich und beschützend erlebt, findet er psychologisch einleuchtend beschrieben.
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