Jan M. Piskorski

Die Verjagten

Flucht und Vertreibung im Europa des 20. Jahrhunderts
Cover: Die Verjagten
Siedler Verlag, München 2013
ISBN 9783827500250
Gebunden, 432 Seiten, 24,99 EUR

Klappentext

Aus dem Polnischen von Peter Oliver Loew. Das 20. Jahrhundert wird auch als Zeitalter der Vertreibungen bezeichnet. Durch Europa strömten bereits um den Ersten Weltkrieg Wellen von Menschen, die vor ethnischen Verfolgungen flohen. Am Ende des Jahrhunderts wurden Zwangsmigrationen vor allem durch den Zusammenbruch des kommunistischen Systems ausgelöst. Piskorski legt mit seinem preisgekrönten und auf breiter Quellen- und Literaturbasis geschriebenen Buch die erste europäische Geschichte des Zeitalters der Vertreibungen vor. Er spricht vom Exodus der Serben 1915, von den sowjetischen Deportationen der 1930er- und 1940er-Jahre, den Vertreibungen aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten, von der Evakuierung von Kindern aus dem von Bombenangriffen bedrohten London, von der Flucht der Italiener aus Istrien nach dem Krieg und schließlich vom Zerfall Jugoslawiens am Ende des 20. Jahrhunderts. Ein leidenschaftliches, mahnendes, mitunter auch provokantes Buch, das man nicht unberührt aus der Hand legt.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 22.05.2014

Jan M. Piskorskis Buch über die europäischen Flüchtlinge des zwanzigsten Jahrhunderts könnte nicht besser in diese unsere Zeit passen, findet Gunter Hofmann, so viele der heutigen Debatten über EU-Beitritte, legale und illegale Migranten und historische Verantwortung berührt "Die Verjagten". Piskorski schildert die verschiedenen Verfahren zur "Homogenisierung der Gesellschaft", die Umsiedlungen und Vertreibungen, durchsetzt sie mit zahlreichen literarischen Zitaten, die die Ereignisse reflektieren, und streut gelegentlich seine eigene Familiengeschichte ein, um seine Position sichtbar zu machen, fasst der Rezensent zusammen. Dieses Buch schreibt aktuelle Katastrophen, wie die vor Lampedusa, in eine traurige europäische Geschichte ein, deren Aktualität wir oft allzu leichtfertig vergessen, lobt Hofmann.

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