Sind wir erkältet, schlucken wir ein Antibiotikum, bei einem Bandscheibenvorfall lassen wir uns operieren, und um Krebs fernzuhalten, gehen wir zur Vorsorge. Wir tun viel, um gesund zu werden oder zu bleiben, rennen in die Apotheke und zum Arzt. Wer will sich schon vorwerfen, etwas zu spät oder gar nicht unternommen zu haben? Es könnte ja helfen! Doch das ist ein Irrtum. Viele Patienten bekommen Untersuchungen oder Behandlungen, die nicht nötig sind, die vielleicht sogar schaden. Viel hilft eben nicht immer viel.
Die Autoren haben damit Erfahrungen gemacht: als Ärzte im Krankenhaus, wenn der Chefarzt mal wieder mehr tat als nötig; aber auch als Eltern, die ihren Sohn auf den Operationstisch brachten, weil sie es zu gut mit ihm meinten. Dabei muss man in vielen Fällen erst mal gar nichts tun - Abwarten ist oft die beste Medizin!
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.06.2017
Stephan Sahm würde das Buch der Mediziner Jan und Ragnhild Schweitzer gegen die Apothekenumschau tauschen. Dass der Weg zum Arzt nicht bei jedem Wehwechen von Nutzen ist, können ihm die Autoren anhand einer Fülle von Beispielen glaubhaft machen. Dass ausgerechnet zwei Schulmediziner das Kompendium der therapeutischen Enthaltsamkeit vorlegen, findet Sahm schon stark, wünscht dem Buch aber jedenfalls viele Leser, auch wenn ihm die schlichte Sprache mitunter auf die Nerven geht.
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